Dienstag, 27. März 2001

Bachers Pläne: weniger Unterhaltung & Werbeeinschränkungen

Jetzt geht es in Sachen Zukunft des ORF Schlag auf Schlag. Bereits diesen Mittwoch präsentiert der von der Bundesregierung eingesetzte „Weisenrat“ seine Vorschläge zum öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF sowie neue Regeln für Werbung und Sponsoring im Küniglberg-TV.

Dass diese Überlegungen der vier „Weisen“ (Ex-ORF-General Gerd Bacher, Ex-Kleine-Zeitung-Chefredakteur Fritz Csoklich, Ex-ORF-Hauptabteilungsleiter Wissenschaft Alfred Payrleitner und Ex-ORF-Generalsekretär Heinrich Keller) massives Gewicht haben, hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel längst klargestellt: „Die Empfehlungen werden direkt ins neue ORF-Gesetz einfließen.“
Dieses neue ORF-Gesetz soll noch vor der Sommerpause im Juni vom Nationalrat beschlossen werden (s. Fahrplan rechts).
Was die ,Weisen‘ wollen. Die Weisen holen zu einem Dreischlag aus, der das Erscheinungsbild und die Programme des ORF massiv ändern werden. – Auch wenn das Papier von Bacher & Co keine konkreten Aussagen zu bestimmten ORF-Sendungen enthält.
Payrleitner zu TV-MEDIA: „Wir sind schließlich keine Programmmacher, die ins Detail gehen, sondern wir sind Programmphilosophen.“
Schlag 1: ORF erhält Kontrastprogrammierung. Wichtigster Punkt des „Weisen“-Berichts: Der ORF muss in Zukunft dafür sorgen, dass im Hauptabend jeweils auf einem Kanal eine „anspruchsvolle“ Sendung läuft. Bacher: „Einer Massensendung muss jeweils eine anspruchsvolle Sendung gegenüberstehen.“
Dass etwa am Montag die Christiane-Hörbiger-Serie Julia – Eine ungewöhnliche Frau gegen einen Hollywood-Streifen läuft – das ist in wenigen Monaten undenkbar.
Die „Weisen“ wollen am Hauptabend zumindest in einem ORF-Programm Informationssendungen und Magazine sehen.
Dass diese Programmierung massiv Seher kosten wird, zeigt das Beispiel vom 17. März. Da sendete der ORF im ersten Programm Wetten, dass?, während in ORF 2 das Max-Frisch-Theaterstück Don Juan oder die Liebe zur Geometrie lief – vor 92.000 Sehern (Marktanteil: 3 %).
Was ein anspruchsvolles Programm ist, soll ein „Bundeskommunikationssenat“, bestehend aus Richtern, entscheiden und überwachen.
Keine Frage: Der Handlungsspielraum der Programmmacher des ORF wird durch dieses Gremium massiv eingeschränkt. Statt TV-Profis haben in Zukunft Richter das letzte und entscheidende Wort!
Schlag 2: Werbebeschränkungen. Auch bei den Werbeeinnahmen des ORF (im vergangenen Jahr rund fünf Milliarden Schilling) wollen die „Weisen“ den Rotstift ansetzen. Die drei wichtigsten Punkte:
l Die Unterbrecherwerbung, die zuletzt bei Barbara Stöckls Millionenshow die Gewinne der Kandidaten mitfinanzierte, soll zur Gänze gestrichen werden.
l Auch das Sponsoring, das vor allem die teuren Sportübertragungen des ORF ermöglicht (rund
10 % der Kosten werden über Sponsoring finanziert), soll verboten werden. Über die Folgen ist sich Alfred Payrleitner im Klaren: „Wenn das Geld für teure Sportrechte nicht mehr da ist, kann der ORF möglicherweise den einen oder anderen Event nicht mehr zeigen.“
l Eingeschränkt, aber nicht zur Gänze verboten soll das Product-Placement werden. Die „Weisen“ haben erkannt, dass Product-Placement international längst Usus ist. Oder sollte der ORF etwa in Hinkunft James-Bond-Filme zensurieren, nur weil Pierce Brosnan mit einem BMW auf Schurkenjagd geht?
Fazit: Dem ORF drohen massive Einnahmenverluste (derzeit werden rund 500 Millionen aus „Sonderwerbeformen“ lukriert). Dazu kommt, dass bei sinkenden Marktanteilen (und diese sind bei einer stark öffentlich-rechtlichen Programmierung des ORF unvermeidbar) die Einnahmen aus klassischer Werbung (TV-Spots) drastisch sinken werden.
Schließlich gelang es Gerhard Weis und seinem Vorgänger Gerhard Zeiler, die Marktanteile des ORF in den Kabel- und Satellitenhaushalten von 1992 (Ende der Ära Gerd Bachers) bis 2000 von 43,8 % auf 48,4 % zu steigern.
Werbeprofis sind sich einig: Ein Rückfall des ORF auf die Marktanteile unter Bacher würde das Unternehmen rund eine Milliarde Schilling kosten. Teure Sendungen (von Sportübertragungen bis hin zu eigenproduzierten Filmen und Serien) könnten in Zukunft nicht oder nur noch eingeschränkt produziert und gezeigt werden.
Schlag 3: Lex „Kronen Zeitung“. Gerd Bacher, ein Intimfeind von Kronen-Zeitungs-Chef Hans Dichand, regt zudem an, dass Medien, die über mehr als 30 % Reichweite verfügen, nicht mehr mit dem ORF kooperieren dürfen. Über diese hohe Reichweite verfügt derzeit nur die Kronen Zeitung – die unabhängige Media-Analyse weist für das Dichand-Blatt aktuell 43,4 % Reichweite aus.
Bacher hatte sich bereits vor Wochen über das Krone-Haus bei der Ski-WM in St. Anton, aus dem auch der ORF berichtete, mokiert.
Speed kills – auch die FPÖ. Doch das Tempo, mit dem die „Weisen“ ihre Vorschläge präsentieren, überrumpelte sogar den Koalitionspartner FPÖ. Denn während die FPÖ-Spitze am Montag nach der verlorenen Wien-Wahl noch ihre Wunden leckte, setzten die „Weisen“ (in Absprache mit dem Bundeskanzleramt und VP-Staatssekretär Franz Morak, aber ohne Absprache mit der FPÖ) den Präsentationstermin ihres Berichts für diesen Mittwoch an.
FP-Klubobmann Peter Westenthaler zeigte sich befremdet: „Ich habe dies mit großem Erstaunen registriert und finde diese Vorgehensweise höchst seltsam.“
Länderfront gegen Bacher-ORF? In den Bundesländern regt sich derweilen erster Widerstand gegen die Radikalpläne der „Weisen“. Denn mit rund 2,3 Milliarden Schilling verschlingt der Betrieb von neun ORF-Landesstudios 21 % (!) des gesamten ORF-Budgets.
Etliche Landespolitiker befürchten nun, dass der ORF in Zukunft aus Geldmangel viele Aktivitäten streichen muss – Kulturevents wie die Ars Electronica (Oberösterreich), die Wiener Festwochen, die Salzburger Festspiele, der steirische herbst oder die Bregenzer Festspiele könnten unter die Räder geraten.
Vor allem ein harter Schlag für den oberösterreichischen Landeshauptmann (und ORF-Kurator) Josef Pühringer, der sich immer als „föderalistisches Gewissen im ORF-Kuratorium“ verstanden hat und die Aufwertung der Landesstudios als „großen persönlichen Erfolg“ bezeichnet hat

27.3.2001 13:56

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Kino

Der Diktator

Komödie, Satire - USA, 2012

Regie: Larry Charles

Mit: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Megan Fox, John C. Reilly, Ben Kingsley

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