Trockener Mörtel

Baumeister und Partylöwe Richard „Mörtel“ Lugner hat wieder einmal Ärger mit der Politik: Seit die Regierung beim Bauen spart, will sein Geschäft nicht mehr so richtig florieren. Wenn das so weitergeht, ist er bald selbst sein bester Kunde.
Der Partylöwe neigt dieser Tage zum Griesgram: Richard Lugner, 69, ist eigentlich eher als Serienheld der „Seitenblicke“ und schillernder Baulöwe bekannt. Doch neuerdings befaßt er sich weniger mit Pomp, Glamour und Hollywood-Sternchen als mit Schutt, Lastern und Mischmaschinen. Denn das Fundament seines Aufstiegs als Geldadeliger in die High-Society, die Baufirma Richard Lugner, fordert schon seit längerem den ganzen Mann.
Selbst seine Frau Christina „Mausi“ Lugner, 35, tut sich derzeit oft schwer, ihm noch ein Lächeln abzuringen. Lugner: „Wir haben im Baugeschäft sicher schon mehr Spaß gehabt.“
Angeschlagene Bau-Branche
Jubelmeldungen aus dem Hause Lugner – die Jahresbilanz soll bis 31. März fertig sein – wären angesichts der an allen Ecken und Enden krachenden Branche auch ein reines Wunder: Lugner, der im Vorjahr am Bau rund 700 Millionen Schilling Umsatz erwirtschaftete, baute im gleichen Zeitraum die Mitarbeiter um ein Viertel von 650 auf nur noch 500 ab. Lugner: „Das Problem ist die Regierung, weil sie bei den Bauaufträgen spart.“
Schwindende Renditen
Lugner – die operative Leitung des Unternehmens liegt in den Händen seiner Söhne Alexander und Andreas – war zwar selbst nie von öffentlichen Aufträgen abhängig. Doch deren Wegfall läßt jetzt immer mehr andere Bauunternehmer in sein Revier drängen. Auch traditionelle Wohnbauunternehmen werfen sich neuerdings auf Lugners Kerngeschäft, Sanierungen oder Dachbodenausbauten – obwohl derlei bis vor kurzem noch als Gröscherlgeschäft geschmäht war. Doch Lugner übt sich in Zuversicht: „Ich habe genug Vermögen, um solche Krisen zu überstehen.“
Beim Warten auf die besseren Zeiten hat er gegenüber dem Rest der Branche einen Riesenvorteil: Ein großer Kunde wird ihm niemals untreu werden – nämlich er selbst. Schon zuletzt hat der Baumeister Lugner die Umsätze durch saftige Aufträge des Shoppingcenterbosses Lugner stabil gehalten. So schlugen Ausbauten der Tiefgarage oder etwa die Errichtung des Mausi-Marktes mit runden hundert Millionen Schilling zu Buche. Das Schöne daran: Bei solchen Aufträgen versaut kein Mitbewerber die Rendite.
320 Mille aus eigener Tasche
Weshalb der umtriebige Operettenentrepreneur auch in dieser Tonart weitermacht: Während sonst Aufträge über zwanzig Millionen Schilling bei ihm eher rar sind, baut er jetzt in eigener Sache gleich um 320 Millionen: Die Lugner City soll um ein Kinocenter erweitert und beides dann per Brücke über den Wiener Gürtel mit der nächsten U-Bahn-Station verbunden werden. Insgesamt verschlingt das Projekt eine halbe Milliarde.
Vergessene PolitAuswüchse
Bei all den Mühen hat Lugner auch Lichtblicke: Ob seiner Politavancen – der Baumeister wollte etwa in Sachen Xenophobie ein besserer Haider sein – stornierte die Bawag zu Beginn seines Wahlkampfes alle Aufträge. Mittlerweile baut er wieder für die Bank – wenn auch längst nicht mehr im Ausmaß wie früher.
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