Sonntag, 1. April 2001

Nikis Osterüberraschung

Niki Lauda gibt den Kampf nicht auf: Diese Woche bringt seine Ex-Frau Marlene eine Schadenersatzklage gegen die AUA ein. Der Vorwurf: Gewagte Finanzdeals seien im Börsenprospekt verschwiegen worden. Laudas Anwälte schießen wieder aus allen Rohren.

Am liebsten hätten die AUA-Chefs ein Dankschreiben nach London gesandt, als Niki Lauda vor zwei Monaten seinen neuen Job beim Jaguar-Rennstall bekanntgab. „Jetzt kehrt endlich Ruhe ein“, so hofften sie. Staranwalt Ewald Weninger, der sein Mandat für die AUA inzwischen beendete, hatte ganze Arbeit geleistet. Sein Job, den Erzfeind mit der roten Kappe in die fliegerische Wüste zu befördern, war erfolgreich abgehakt. Nerven und Geld hatte der Krieg mit Lauda genug gekostet.

Unter Rechtsberatern der Staatsairline kursiert der Betrag von rund 110 Millionen Schilling für das halbe Dutzend Gerichtsverfahren, die zahlreichen Anwälte, Gutachten und Expertisen – eine satte Summe, die Vorstand Herbert Bammer jedoch bestreitet: „Wir liegen sicher darunter, auch wenn wir das nie zusammengezählt haben.“ Immerhin zeigte der Kapitaleinsatz die gewünschte Wirkung. Wochenlang war vom nach England „emigrierten“ Lauda kein Wort mehr zu hören – seine Medienauftritte beschränkten sich auf Analysen zu Formel-1-Rennen.

Der Autochampion lässt nicht locker
Jetzt wird die AUA das Budget ihrer Rechtsabteilung noch einmal anheben müssen. Denn mit dem Frieden ist es wieder vorbei. Der für seine Zähigkeit bekannte Autochampion denkt nach einer Verschnaufpause gar nicht daran, lockerzulassen. Seine Anwälte von der Kanzlei Schuppich, Sporn & Winischhofer werden diese Woche weitere Klagen und Anträge gegen die AUA einbringen. Der Luftkampf steht kurz davor, wieder zu eskalieren.

Auch andere dunkle Wolken ballen sich zusammen: Der neue Aufsichtsrat der Austrian Airlines könnte möglicherweise nun doch dem Wunsch des Haupteigentümers ÖIAG entsprechen und den Vorstand neu besetzen. Im ersten Quartal 2001 flog die AUA ein dickes Minus von über einer halben Milliarde Schilling ein. Und auch die Finanzgebarung, die Lauda hinterlassen hat, wird zunehmend kritischer betrachtet.
Zunächst will Niki Lauda der AUA ein Osterei legen. In einem Überraschungscoup hat er endlich jemanden gefunden, der die verhaßte Airline auf Schadenersatz klagt: Marlene Lauda, die im spanischen Barcelona ansässige Ex-Ehefrau des Airline-gründers, wird sich diesen Montag an das Wiener Handelsgericht wenden.

Sie wirft der AUA, deren Vorständen Herbert Bammer und Mario Rehulka sowie der Wirtschaftsprüfungskanzlei Deloitte Touche vor, ihr einen beträchtlichen Vermögensverlust verschuldet zu haben.

Marlene verliert 1,8 Millionen
Die Kärntner RBB-Bank, die auch das Vermögen von Laudas Privatstiftung verwaltet, kaufte im Frühjahr 1999 10.000 AUA-Aktien für Marlene Lauda, als diese Geld aus dem Verkauf ihres Salzburger Privathauses anlegte. Der Preis pro Aktie betrug 27,70 Euro, macht umgerechnet gut 3,8 Millionen Schilling für das gesamte Paket. Nach einem permanenten Kurssturzflug verkaufte Bankberater Thomas Hönigsberger (übrigens der Schwiegersohn von Karl Wlaschek) die Papiere am 11. April 2000 für 15 Euro wieder, was einen Verlust von 1,8 Millionen Schilling bedeutete. Der Wert wäre seither noch weiter gesunken. Lauda: „Marlene hat viel verloren und wehrt sich. Das ist ihr gutes Recht.“

Was seine Anwälte jetzt gegen die Austrian abfeuern, ist eine Prospekthaftungsklage. Sie wollen nachweisen, daß die AUA-Führung gewagte Finanzkonstruktionen im Börsenprospekt für die im April 1999 durchgeführte Kapitalerhöhung verschwiegen und so die Anleger hinters Licht geführt habe.
Für Bammer und Rehulka könnte der Schritt von Marlene Lauda eine Bombe zünden. Denn dahinter steht die Hoffnung, daß sich möglichst viele Großinvestoren der Klage anschließen.

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1.4.2001 15:34