Megadeal hat Folgen für Bank Austria u. Wr. Städtische

Der Österreicher Paul Achleitner, Finanzchef von Europas größtem Versicherungskonzern Allianz, setzt bei der Übernahme der Dresdner Bank, Deutschlands drittgrößter Bank, alles auf eine Karte. Der Megadeal hat auch Folgen für Bank Austria und Wiener Städtische.
Das prominenteste Mitglied des ÖIAG-Aufsichtsrates glänzte bei der Sitzung am vergangenen Donnerstag in Wien wieder einmal durch Abwesenheit. Anstatt sich mit Verlusten der Telekom Austria herumzuschlagen, stellte der Finanzchef des größten Versicherungskonzerns der Welt, der gebürtige Linzer Paul Achleitner, zur selben Zeit in der Konzernzentrale
der Allianz AG in der Münchner Königinstraße 28 die Weichen für einen Deal der Superklasse.
Nach tagelang schwelenden Gerüchten folgte Donnerstag mittag die in schlichte Worte gefaßte Bestätigung: Die Allianz will mit der Dresdner Bank, gemessen an der Bilanzsumme das zweitgrößte Kreditinstitut Deutschlands, fusionieren. Die Gespräche, so ließen Allianz und Dresdner wissen, befänden sich in einem „fortgeschrittenen Stadium“. Das Volumen der Transaktion: 24 Milliarden Euro, umgerechnet sagenhafte 330 Milliarden Schilling.
Kommt der Deal tatsächlich zustande, lassen sich die Konsequenzen einer Ehe der beiden Branchenriesen nur noch in schwindelerregenden Zahlen messen. Es entsteht nämlich ein gigantisches Allfinanzkonglomerat: mit einem Börsenwert von 1.420 Milliarden Schilling, einem Beteiligungsvermögen von über 600 Milliarden sowie einer Vermögensverwaltung, die über Kundengelder in der Höhe von mehr als 15.000 Milliarden Schilling verfügt. Für die Allianz mit 120.000 Mitarbeitern sind an der Dresdner (51.000 Mitarbeiter) vor allem das Filialnetz sowie die Vermögensverwaltungstochter DIT interessant.
Paul und die Wurst
Für den 44jährigen Österreicher Paul Achleitner geht es bei dem Deal der Billionäre schlicht um die Wurst. Seit 1. Jänner des Vorjahres als Finanzvorstand an der Seite von Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle tätig, erlebte der smarte gelernte Investmentbanker gleich die ersten Monate als eine Zeit von Pleiten, Pech und Pannen: Zuerst platzte die von ihm miteingefädelte Fusion zwischen Dresdner und Deutscher Bank, dann scheiterte auch im zweiten Anlauf der Versuch einer Verschränkung von Dresdner und Commerzbank. Kippt der Dresdner-Deal, so Branchenkenner, so müßte der Linzer sein Büro bei der Allianz wohl endgültig räumen.
In der Bankenmetropole Frankfurt gab es nach der Bestätigung über fortgeschrittene Verhandlungen zwischen Allianz und Dresdner jedenfalls durchwegs positive Reaktionen.
Grund zum feiern
Denn der Deal ermöglicht eine grundlegende Neuordnung der deutschen Banken- und Versicherungslandschaft und hat auch nachhaltige Auswirkungen auf Österreich: Schluckt die Allianz die Dresdner, so wird die Allianz ihr 17-Prozent-Aktienpaket an der HypoVereinsbank an die Münchner Rückversicherung übertragen. Die Folge: Mit Münchner Rück und HypoVereinsbank entstehen in München zwei starke Allfinanzgruppen als Gegenpol zur bislang von Frankfurt aus dominierenden Deutschen Bank. „Wenn’s klappt“, so das Fazit des „Handelsblattes“, „hat nicht nur Bayern, sondern ganz Deutschland einen Grund zum Feiern.“ Einziger Verlierer: die Commerzbank (die in Österreich ein kleines Aktienpaket an der Erste Bank hält), die noch Mitte der Vorwoche über eine Kooperation mit der Dresdner spekuliert hatte. Hans-Paul Brückner, Bankenspezialist von Boston Consulting: „Heute ist jeder Finanzdienstleister potentieller Übernahmekandidat“.
Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT den vollständigen Artikel und welche Auswirkungen der Medadeal auf Österreich haben wird.
Familiendrama in St. Pölten10:59
Vater schießt auf SohnSUnfassbarer Vorfall in St. Pöltner Volksschule. Zustand des Buben kritisch

