Marktkritik an Duisenberg & Co

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen in der Euro-Zone unverändert zu lassen, führte zu einem Kurseinbruch: Der Euro ist im asiatischen Handel zeitweise auf ein 15-Wochentief von 0,8767 Dollar gefallen.
Im frühen europäischen Handel pendelte sich die Währung wieder knapp über 0,88 Dollar ein. Nach Einschätzung von Devisenhändlern bewerten die Anleger das Zögern der EZB mit einer Zinssenkung als unnötiges Risiko für das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone.
Gerüchte über mögliche Zentralbank-Interventionen zu Gunsten des Euro hätten einen weiteren Kursverfall aber verhindert. Der Yen fiel wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Wirtschaftslage und die Wechselkurspolitik Japans auf sein niedrigstes Niveau seit mehr als zweieinhalb Jahren.
Die EZB hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 0,8840 (Mittwoch: 0,8860) Dollar festgesetzt. Heute Vormittag gegen 11.15 Uhr MESZ kostete der Euro im Mittel 0,8817 Dollar. Händler äußerten am Freitag Unverständnis darüber, dass die EZB am Donnerstag noch nicht gehandelt hat, obwohl ihrer Einschätzung nach eine Zinssenkung wegen einer womöglich stärkeren Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone längst geboten ist. Im Unterschied zur EZB habe sich die US-Notenbank (Fed) vorbildlich verhalten.
Die Fed hat seit Jänner die Zinsen drei Mal um insgesamt 150 Basispunkte gesenkt, um die US-Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren. Die EZB habe den Euro bewusst absacken lassen, vermuteten Händler. Die Notenbank müsse gewusst haben, dass ein Beschluss gegen eine Zinssenkung die Währung belasten würde.
Im Tagesverlauf erwarten die Experten, dass der Euro die Marke von 0,8750 Dollar testen könnte. Am Nachmittag könnte ein Teil der Einbußen aber durch Gewinnmitnahmen vor dem Wochenende wieder ausgeglichen werden.
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