Bank Austria will ca. 50 Filialen und 600 Mitarbeiter einsparen

Die Kosten im Konzernbetrieb hat die Bank Austria (BA), seit Dezember 2000 Tochter der bayerischen HypoVereinsbank (HVB), "im Griff". Die harte Arbeit der letzten Jahre machte sich bezahlt, sagte BA-Chef Generaldirektor Gerhard Randa bei der Bilanzvorlage am Donnerstag. Jetzt sei Zeit der Ernte.
In Osteuropa soll, mit der HVB als drittgrößter Bank Europas im Rücken, kräftig expandiert werden. Im Inland wird der alternative Bankvertrieb (Onlinebanking etc.), vorangetrieben. Im teuren klassischen Filialbetrieb müssen aber die Kosten runter: Mit Flächenreduktion, aber auch mit weiteren Filialschließungen.
Die Münchener Mutter HVB wird in Deutschland 10 bis 15 Prozent ihrer Filialen schließen. Auch Randa will beim "stationären Vertrieb" im eigenen Land einsparen. Die Netzgröße im Inland werde dabei "über 400 bleiben" - heute hat die BA-Gruppe in Österreich 460 Bankfilialen.
Vor 10 Jahren gab es in der heutigen BA-Gruppe im Inland noch 700 Bankzweigstellen. So viele Filialen betreibt die Bank Austria samt der zu ihr wandernden Ost-Töchter der HVB übrigens heute in Osteuropa, wo Ende 2000 rund 18.600 Beschäftigte tätig waren.
Im Inland wurde im Jahr 2000 der Personalstand in den drei AGs (Bank Austria, Creditanstalt und BA/CA-International) um 3 Prozent auf 12.762 "Mitarbeiterkapazitäten" reduziert. Derzeit sind es noch 12.600. Ende des Jahres werden es 12.000 sein. Diese Marke ist für Randa "keine heilige Kuh", weitere Synergien würden ausgenutzt.
Zusammen mit Teilzeitkräften hatte die Bankengruppe in den drei Bank-AGs im Inland (BA AG, CA, BA/CA-I) 13.442 Mitarbeiter, 374 weniger als 1999. Seit 1991 wurde der Personalstand um 22 Prozent reduziert. Im Konzern sind heute 27.873 Personen beschäftigt. Nach der Neuordnung der Auslandsakvititäten zwischen BA und HVB werden es in der BA-Gruppe insgesamt 35.000 sein - 60 Prozent davon in der Bank Austria-Konzernregionen außerhalb Österreichs.
Obwohl für die Bilanz 2000 Risikokosten (Vorsorgen) von 9,2 Mrd. S anfielen - zwei Drittel mehr als 1999 - gab es einen Ergebnisrekord. Beim Vorsteuergewinn gab es ein Plus von 12,8 Prozent auf 9,1 Mrd. S (662 Mill. Euro), der Konzernjahresüberschuss legte um 15,6 Prozent auf 592 Mill. Euro (8,146 Mrd. S) zu. Der Gewinn je Aktie stieg von 4,45 auf 5,17 Euro. Verdoppelt wurde der Gewinn im Kundengeschäft in Österreich und Osteuropa. Die Osteuropa-Töchter selber verdienten 40 Prozent mehr. Beteiligungsverkäufe und -auslagerungen in Österreich brachten hohe Sondererträge, die trotz der massiv über Budget liegenden Kreditvorsorgekosten den Gewinnrekord möglich machten.
Erstmals wurden heute die u.a. durch schärfere Risikovorgaben der neuen Mutter HVB stark erhöhten Vorsorgen für 2000 beziffert: Nachdem die (erfolgswirksamen) Kredit-Risikovorsorgen 1999 um 354 Mill. Euro zurückgeführt wurden, stiegen sie 2000 wieder um 266 Mill. auf 666 Mill. Euro (9,164 Mrd. S) an. Im Inland wurden sie um 238 Mill. auf 519 Mill. Euro angehoben. In den USA erzwangen Konjunkturschwäche und Probleme der Start-Ups die Aufstockung des Risikoaufwands um 55 Mill. auf 143 Mill. Euro.
Kompensiert wurde das durch Erlöse aus der Ende 2000 vorgenommenen Austöchterung von 25 Industriebeteiligungen in eine eigene Stiftung. "Das glich sich aus", sagte Randa. Mit 194 Mill. Euro (2,67 Mrd. S) schlug diese Stiftungs-Einbringung (u.a. der Semperit AG Holding, Porr, Gewista, Imperial Hotels) im Erfolg aus Finanzanlagen zu Buche. Mit sonstigen Beteiligungsverkäufen wurden 2000 rund 83 Mill. Euro realisiert. Erheblich zum BA-Konzerngewinn trug wieder die Tochter Creditanstalt (CA) bei: Ihr mehr als 140prozentiger Gewinnsprung auf 5,4 Mrd. S resultierte, wie am Mittwoch bekannt gegeben worden war, "bedeutend" aus Verkäufen von Beteiligungen u.a. der ÖRAG, des BBAG-Pakets und der Management Data.
In den nächsten sechs bis acht Wochen wird die CA-IB Wien (Investmentbank) in der Bank Austria aufgehen. Die Marke bleibt, die CA-IB-Töchter im Osten werden als Investmentbankingeinheiten weiter geführt. Mit der Investmentbank-Integration werden Synergien von 200 bis 300 Mill. S erwartet. Die 2-Marken-Strategie von "Bank Austria" und "Creditanstalt" fährt der Konzern im Inland unbeirrt weiter, selbst wenn die Konkurrenz sie seit Jahren totsage: Randa heute: "Ich sage Ihnen, die ist noch lange nicht tot".
Ihr für 2001 gestecktes Konzern-Rentabilitätsziel hat die BA-Gruppe schon im Vorjahr übertroffen: Der Gruppen-ROE nach Steuern stieg von 11,9 auf 13,1 Prozent in 2000. Die Cost-Income-Ratio sank von 71,7 Prozent auf 66,7 Prozent (2001-Ziel: unter 65 Prozent).
"Hochprofitabel" war 2000 das Ostnetzwerk: Bis zum Jahr 2005 soll Osteuropa 50 Prozent des Bank Austria-Gewinns ausmachen. Jetzt sind es 20 Prozent. Der Return on Equity (ROE) vor Steuern der Osttöchter soll bis dahin von rund 20 auf 30 Prozent zunehmen.
Ihre Bilanzsumme hat die BA-Gruppe 2000 um 17,9 Prozent erhöht. 4 Prozentpunkte davon brachte die Erst-Konsolidierung der polnischen Tochterbank PBK. Die Gruppen-Bilanzsumme betrug 165 (140) Mrd. Euro.
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