Mittwoch, 28. März 2001

Die Weltwirtschaft rutscht in ein Zwischen-Tief

Weltweit geht die Rezessionsangst um. Hörbar kracht es im Gebälk der Weltwirtschaft: Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht Japan liegt seit einem Jahrzehnt flach am Boden, und nun schrammt der Leader USA haarscharf an einer Krise entlang.

Europa wird in diesem Sog mitgerissen. Nur Österreich trotzt der Eintrübung des Konjunkturhimmels.
USA schwächt Europa. „Ich bin zuversichtlich, dass der Abschwung in Österreich deutlich geringer ausfällt als in Europa“, prognostiziert der Boss des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), Helmut Kramer. Er und sein Kollege Bernhard Felderer, Chef des Institutes für Höhere Studien (IHS), werden am Freitag ihre neuesten Wirtschaftsprognosen veröffentlichen. Von deutlichen Korrekturen kann ausgegangen werden. Die jüngste Prognose für Europa, die das Wirtschaftswachstum bei 2,5 Prozent sah, müsse laut Kramer um drastische 0,5 bis 0,75 Prozent gesenkt werden. Europa sei sowohl über die Börsen als auch über die globalisierten Wirtschaftsstrukturen eng mit den USA verbunden. „Der realwirtschaftliche Einfluss der US-Krise ist stark“, so Kramer.

„Gemischte Stimmung“ ortet der Boss des Global Players und Feuerfest-Spezialisten Radex, Georg Obermeier, in der Branche. Als „gedämpft“ bezeichnet er die Situation in den USA, insbesondere in der Stahlindustrie.
Österreich behauptet sich. Die Konjunktur in Österreich wird hingegen, so IHS und Wifo unisono, nur geringfügig schlechter laufen als erwartet. Die Volkswirte der Creditanstalt (CA) haben ihre Österreich-Prognose vor wenigen Tagen um 0,1 auf 2,4 Prozent Wachstum gesenkt. Schwächen ortet CA-Chefvolkswirt Josef Christl in den Branchen Industrie, Bau und weiten Teilen der New Economy, der „das Geld für die Expansion fehlt“.

Von einer „moderaten Abschwächung“ der heimischen Konjunktur geht der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, aus. „Sorgen macht mir das im Zusammenhang mit dem Budget“, so Leitl, der jetzt eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einfordert.

Weniger Handel. Grund zur Sorge haben laut Wirtschaftsforscher Kramer jedenfalls einige Branchen. „Die Situation wird sich auf die Handelsumsätze und besonders dauerhafte Konsumgüter wie Autos negativ auswirken.“ Rückschläge befürchtet Kramer für die Automobil-Zulieferindustrie sowie den Technologiesektor.
„Ausgelöst durch die Börse-Turbulenzen, macht sich in den Haushalten pessimistische Stimmung breit“, registriert Gerhard Sandler, Boss der Media-Markt-Gruppe. Für sein Unternehmen ist Sandler trotz der Konjunkturdelle optimistisch, denn „wir konnten bis Ende Februar sogar kräftig zulegen“.

Optimistisch ist Kramer für den Bereich Freizeit: „Hier sparen die Österreicher nicht.“ Bestätigen kann dies der Chef der Sportartikelhandelskette Hervis, Alfred Eichblatt: „Unsere Branche profitiert stark vom Fitness-Bewusstsein. Die Nachfrage ist sehr erfreulich.“
Ähnlich optimistisch ist Österreichs größtes Reisebüro: „Die schwächere Wirtschaft hat keine Auswirkungen auf die Tourismusbranche. Bei der Freizeit wird nicht gespart“, so Verkehrsbüro-Chef Rudolf Tucek.

Zuversicht versprüht auch CA-Volkswirt Christl: Seiner Meinung nach ist der Technologie-Crash auf den Aktienmärkten „weitgehend überstanden“. Die US-Wirtschaft könnte bereits im zweiten Halbjahr wieder anziehen. Christl: „Dann geht es auch in Europa wieder aufwärts.“

28.3.2001 15:20