Mateschitz: "RedBull goes USA!"

Durch eine kleine Dose zum reichsten Österreicher: Didi Mateschitz schaffte den Rekordaufstieg. Seine Firma RedBull steht beim pro-Kopf Umsatz sogar ganz ober auf der Hitliste. Verkaufen könnte er sofort an jeden, will er aber nicht.
Dietrich Mateschitz, 56, ist gebürtiger Steirer, vom Sternzeichen Stier – und so mitunter ein recht sturer Kerl. „Wir hätten unser Unternehmen schon zehnmal verkaufen können und bekommen laufend Angebote über internationale Treuhandbüros“, berichtet der Chef der 1987 gegründeten Red Bull GmbH, „ich habe aber keine Absicht, zu verkaufen.“
Somit muss sich wohl auch Coca-Cola noch auf unbestimmte Zeit gedulden. Dem amerikanischen Soft-Drink-Giganten mit zuletzt 308 Milliarden Schilling Umsatz wird nämlich nachgesagt, Red Bull lieber heute als morgen schlucken zu wollen. Leo Schreiber, Generaldirektor von Coca-Cola Beverages Österreich, bestätigt: „Wenn Mateschitz verkauft, sind wir sicher interessiert.“
Frontale Attacke. Dass sich die sagenhafte Erfolgsstory der heimischen Power-Brause bis ins Coca-Cola-Hauptquartier nach Atlanta herumgesprochen hat, kommt nicht von ungefähr. 14 Jahre nach der Produkteinführung in Österreich greift Red Bull den vermeintlich übermächtigen Konkurrenten nämlich frontal am Heimmarkt an. Nach 90 Millionen verkauften Dosen im Vorjahr sollen heuer in den USA schon 240 bis 280 Millionen abgesetzt werden. Das entspricht einem Umsatz von rund vier Milliarden Schilling – bereits ein knappes Viertel des für heuer geplanten Gesamtumsatzes von 15 Milliarden Schilling. Zum Vergleich: Im weitgehend gesättigten österreichischen Markt brachte Mateschitz im Vorjahr lediglich 88 Millionen Dosen unter das Volk.
Dabei hat die Großoffensive im Land der unbegrenzten Absatz-Möglichkeiten gerade erst einmal begonnen.
Mateschitz: „Wir sind in Amerika jetzt praktisch flächendeckend vertreten und können nun voll durchstarten.“ Sein ambitioniertes, aber durchaus realistisches Ziel: eine Milliarde verkaufter Dosen beziehungsweise 15 Milliarden Schilling Umsatz in spätestens drei Jahren.
Coca-Colas Konter. Angesichts der Red-Bull-Attacke mixt Coca-Cola eifrig an Getränkerezepturen, um den weltweit wachsenden Energy-Drink-Markt nicht kampflos den forschen Österreichern zu überlassen. Seit Anfang des Jahres ist in ausgewählten US-Supermärkten etwa der Energy-Drink „KMX“ zu erhalten, der in Geschmack wie Färbung frappant dem alpenländischen Vorbild ähnelt. In Südafrika und Großbritannien wiederum testet Coca-Cola ein Getränk namens „Burn“, in Australien eines mit dem Namen „lift plus“.
Mateschitz: „Burn schmeckt recht gut. Uns
zu überflügeln wird aber sehr schwierig werden. Es kann keine nennenswerten Angriffe gegen eine derart etablierte Marke wie Red Bull geben.“ Nachsatz: „Es ist aber legitim, dass Coca-Cola am Energy-Drink-Markt partizipieren möchte.“
Neben der Eroberung Amerikas setzt Mateschitz derzeit alles daran, die ohnehin nur mehr spärlich vorhandenen weißen Flecken auf der Absatz-Weltkarte zu besetzen. In Venezuela etwa steht Red Bull unmittelbar vor der Markteinführung, Argentinien und Chile sind 2002 an der Reihe. Im Jahr 2005 schließlich soll die globale Expansion weitgehend abgeschlossen sein. Zielumsatz: mehr als 50 Milliarden Schilling jährlich.
Frühestens dann will der ehemalige Marketingleiter des Zahnpasta- und Deo-Herstellers Blendax den sensationellen Erfolg des Kult-Getränks auch auf andere Produkte übertragen. Mateschitz: „Es ist denkbar, dass wir Lizenzen für Bekleidung, Sportartikel oder Lebensmittel vergeben. Allerdings nur für Produkte, die ebenso einmalig sind wie Red Bull.“
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