Mittwoch, 28. März 2001

EZB - Diskussionen um Duisenberg-Nachfolge

Der Präsident der Osteuropa-Bank, Jean Lemierre, hat die Debatte um die Nachfolge von Wim Duisenberg an der Spitze der Europäischen Zentralbank kräftig angeheizt.

In einem Interview mit der italienischen Zeitung "La Republicca" erklärte Lemierre, dass bei den Verhandlungen um diese Position das Datum 2002 für einen Wechsel vereinbart worden sei.

Berufen worden war der Niederländer Duisenberg 1998 ursprünglich für acht Jahre. Im Vorfeld seiner Benennung hatte es jedoch bereits heftige Auseinandersetzungen um den Chefposten gegeben, den Frankreich mit dem Gouverneur der Banque de France, Jean-Claude Trichet, besetzen wollte. Wegen eines laufenden Ermittlungsverfahrens im Zusammenhang mit Trichets Funktion als oberster Bankenaufseher war der Anspruch der Franzosen jedoch nicht durchsetzbar gewesen.

Paris hatte den Anspruch auf die Führung der in Frankfurt am Main ansässigen Zentralbank jedoch immer wieder bekräftigt, woraufhin sich Duisenberg zu der Aussage hinreißen ließ, die volle Amtszeit auf Grund seines hohen Alters nicht erfüllen zu wollen. Bis zur endgültigen Einführung des Euro werde er jedoch in jedem Fall bleiben, so Duisenberg.

Insofern enthalten die Äußerungen Lemierres - wie er der "Financial Times" selbst sagte - "kein neues Element". Neu ist, dass sich der Sprecher der Osteuropabank nun offenbar selbst ins Gespräch um die Duisenberg-Nachfolge bringen will. "Jeder weiß, dass es vier Jahre sind also bis 2002. Niemand weiß, wann genau er 2002 zurücktreten wird", so Lemierre. Die Vorwürfe gegen Trichet dürften bis zum Frühjahr 2002 kaum ausgeräumt sein, so dass Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac sich voraussichtlich nach einer Alternative umsehen muss, denn Paris hat das Vorschlagsrecht für die Besetzung der sich im nächsten Jahr ergebenden Vakanz an der EZB-Spitze.

28.3.2001 13:17