BMW wieder auf der Überholspur

Vor einem Jahr stand BMW-Chef Joachim Milberg vor einem Desaster: Die Milliardenverluste durch die britische Rover-Tochter bedrohten die Eigenständigkeit des weiß-blauen Autobauers. Vorstände wurden entlassen. Milberg galt als Auslaufmodell.
Auf der Bilanzpressekonferenz 2000 musste er einräumen: "Sie können sagen, wir sind gescheitert."
Zwölf Monate später ist er allen Unkenrufen zum Trotz noch immer im Amt und kann triumphieren. Der Befreiungsschlag durch die Trennung von Rover bescherte dem Konzern die höchsten Erträge und Erlöse in der Unternehmensgeschichte. Milberg sitzt fester im Sattel denn je. Den Rekordgewinn von einer Mrd. Euro (13,76 Mrd. S) aus dem vergangenen Jahr will BMW 2001 noch steigern. Auch beim Umsatz, der 2000 trotz Rover-Trennung um knapp drei Prozent auf erstmals 35,4 Mrd. Euro wuchs, soll es weiter aufwärts gehen.
Der 57-jährige Konzernchef und Professor für Produktionstechnik hat BMW in kurzer Zeit zu alter Stärke zurückgeführt. "Heute blicken wir zurück auf das Geschäftsjahr 2000 als das erfolgreichste in der BMW-Geschichte", zog Milberg zufrieden Bilanz. Nach der Trennung von Rover fahre BMW jetzt wieder die richtige Strategie: "Wir sind der einzige Mehrmarken-Autohersteller, der nicht im Massengeschäft tätig ist.". Während Opel in Deutschland Milliardenverluste einfährt und DaimlerChrysler - wie einst BMW bei Rover - unter Fusionsproblemen leidet, ist BMW wieder auf der Erfolgsspur.
Rund acht Mrd. DM (4,09 Mrd. Euro/56,3 Mrd. S) hat das Rover-Abenteuer den BMW-Konzern gekostet. Zwar laufen noch Detailverhandlungen mit dem Phoenix-Konsortium, das Rover im Mai 2000 für symbolische zehn Pfund (16 Euro/221 S) kaufte, und mit dem Ford-Konzern, der Land Rover erwarb. Doch die Rückstellungen von 3,15 Mrd. Euro decken nach Einschätzung von Finanzchef Helmut Panke alle Kosten ab. "Wir können jetzt einen finanziellen Schlussstrich unter das Rover-Engagement ziehen."
Doch die Rover-Katastrophe hinterließ in der Geschichte des Konzerns tiefe Spuren. Wegen des "englischen Patienten" stürzte Milbergs Vorgänger Bernd Pischetsrieder. Milbergs Berufung vor zwei Jahren kam für viele überraschend. Als Favorit für den Chefsessel galt Entwicklungsvorstand Wolfgang Reitzle, der dann aber mit Pischetsrieder seinen Hut nehmen musste und inzwischen bei Ford ist. Pischetsrieder wurde von seinem ehemals schärfsten Konkurrenten Ferdinand Piech in den VW-Vorstand geholt und soll dort möglicherweise dessen Nachfolge antreten.
Als sich die Verluste bei der britischen Tochter fortsetzten, der Vorstand über einen Verkauf uneinig war und später noch der schon gefeierte Verkauf an die Risikokapitalgesellschaft Alchemy scheiterte, schien auch Milbergs Schicksal besiegelt. Die Quandt-Familie als BMW-Großaktionär stand jedoch zu dem Westfalen und gab ihm nach dem Rover-Verkauf die Chance zu einem Neuanfang.
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