Zuerst Eigentor durch Baur, dann aufgeholt...

Österreichs Fußball-Nationalteam bleibt im Rennen um eine Fahrkahrte zur WM-Endrunde 2002 in Japan und Südkorea. Die ÖFB-Truppe schlug am Mittwoch Abend vor rund 22.000 Zuschauern im Wiener Happel-Stadion Israel nach einem mitreißenden Länderspiel 2:1 (2:1) und verdrängte damit die Gäste in der Europa-Gruppe sieben vom zweiten Tabellenplatz hinter Favorit Spanien.
Michael Baur und Andreas Herzog fixierten mit ihren Treffern aus einem 0:1-Rückstand, den der Tirol-Libero mit einem Eigentor verschuldet hatte, die drei wichtigen Punkte.
ÖFB-Teamchef Otto Baric hatte seine Start-Elf gegenüber dem 1:1 am Samstag in Sarajewo gegen Bosnien-Herzegowina an zwei Positionen verändert. Prilasnig spielte an Stelle des leicht angeschlagen Neukirchner Manndecker und Schopp nahm im äußersten rechten Mittelfeld den Platz des gesperrten Cerny ein. Die Taktik war klar auf Offensive ausgerichtet. Die Angreifer Vastic und Mayrleb sollten von den Flanken über Schopp bzw. Flögel und vor allem von Regisseur Herzog Unterstützung erhalten sowie alle näher als in Sarajewo am Mann sein und ruhig von hinten herausspielen.
Dementsprechend stürmisch ging`s los. Herzog zeigte mit einem Schrägschuss, den Davidovitch über die Latte faustete, gleich in der fünften Minute, wer der Herr im Haus ist. Aber fast im Gegenstoß folgte in der sechsten Minute an einem kühlen Abend die kalte Dusche: Keisi passte von der linken Seite scharf zur Mitte, Nimny traf den Ball nicht richtig, dieser sprang am langen Eck Baur gegen das linke Standbein und von dort zum 0:1 ins Netz.
Der Tirol-Libero, der sowohl gegen Spanien als auch zuletzt gegen Bosnien-Herzegowina (jeweils 1:1) getroffen hatte, sollte auch in der Folge im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Man schrieb die neunte Minute: Nach einem kurz abgespielten Corner flankte Vastic von links mit dem rechten Fuß zur Mitte, Baur stieg am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf ins kurze Eck zum wichtigen und auch schnellen Ausgleich.
Die technisch guten und schnellen Israeli, die mit neun Auswärtsspielen ohne Erfolg im Gepäck in den Prater gekommen waren, steckten das 1:1 aber ebenso weg wie zuvor die Österreicher das 0:1. Die Männer aus dem Nahen Osten verlegten sich keineswegs stur aufs Verteidigen, sondern sie spielten frech nach vorne und kamen auf der linken Seite immer wieder gefährlich durch. So auch in der 14. Minute, als Benayoun im Strafraum auf Nimny spielte, der von Baur nur noch durch ein Foul gestoppt werden konnte.
Der italienische Referee Alfredo Trentalange zeigte Baur die Gelbe Karte und auf den ominösen Punkt. Kapitän Banin schoss vom Schützen aus gesehen scharf ins rechte Eck, aber Franz Wohlfahrt wehrte den Schuss (15.) mit einer bravourösen Parade ab. Es war der erste nennenswerte Schuss auf das Gehäuse des Austria-Keepers. Drei Minuten nach dem Elfer setzte Schopp einen Kopfball knapp neben die linke Stange und in der 38. Minute erhitzten sich nach einem Foul von Banin an Herzog die Gemüter, wobei gestoßen und gerempelt wurde. Die zwei Streithähne sahen "Gelb".
Aber noch vor dem Wechsel katapultierte der unbedingte Wille, drei Punkte zu erzielten, die Österreicher auf die Siegesstraße. Shelah ging nach einer Flanke von Prilasnig mit dem Arm zum Ball und abermals gab es Elfer: Herzog verwertete in der 42. Minute per Flachschuss ins rechte Eck zum vielbejubelten 2:1. Es war das 20. Teamtor im 86. Länderspiele des "Bremers". Zur Pause blieb der Übeltäter, der schon vor dem Handspiel verwarnt worden war, in der Kabine und wurde durch Bromer ersetzt.
Der Angriffselan der Gastgeber verebbte in den zweiten 45 Minuten etwas, während die Israeli mit neuem Schwung und Hoffnung auf den Rasen zurückkehrten. Nachdem Banin (52.) einen Volley knapp am langen Eck vorbei geschossen hatte und der offensive Mizrahi für Verteidiger Banado gekommen war, verhinderte Wohlfahrt in der 62. und 69. Minute zweimal vor dem neuen Stürmer in extremis. Beide Seiten suchten nun im offenen Schlagabtausch die Entscheidungen, die Israel wollen das 2:2 und Österreich das 3:1.
Im Finish hatte Österreich Glück, zuerst köpfelte Benayoun (86.) drüber und dann annullierte der Referee einen Tor von Bercovic (87.) zurecht wegen Abseits. So blieb es bis zum Schluss kein Match für schwache Nerven und beim knappen 2:1-Sieg der Hausherren, denen damit die Revanche für die 0:5-Schmach im Juni 1999 in Tel Aviv in der EM-Quali gelang. Einziger Wermutstropfen: Stranzl erhielte die zweite Gelbe Karte und ist am 25. April in Innsbruck gegen Liechtenstein gesperrt.
Tabelle
| 1. | Spanien | 4 | 3 | 1 | 0 | 10:2 | 10 |
| 2. | Österreich | 4 | 2 | 2 | 0 | 5:3 | 8 |
| 3. | Israel | 4 | 2 | 0 | 2 | 6:5 | 6 |
| 4. | Bosnien-Herzegowina | 4 | 1 | 1 | 2 | 6:6 | 4 |
| 5. | Liechtenstein | 4 | 0 | 0 | 4 | 0:11 | 0 |
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