Mittwoch, 28. März 2001

NEWS: Beckenbauer wird seine Kontakte spielen lassen

Im NEWS-Gespräch nimmt Franz Beckenbauer Stellung zu seinen Attacken auf den österreichischen Fußball. Für die Bewerbung Österreichs um die Fußball-EM will er sich allerdings einsetzen.

news: Franz, kürzlich hast du den österreichischen Fußball heftig attackiert.
Beckenbauer: Ja mei, dann hat der Otto Baric gleich zurückgeballert. Mir unverständlich. Entweder kann er nicht lesen. Oder er will nicht lesen. Alles, was ich wollte, war, den Erwartungsdruck der österreichischen Fans auf ihre Nationalelf zu nehmen. Mensch, Österreicher, seid nicht so anspruchsvoll! Die großen Kickernationen sind euch jetzt davongezogen, der Zug ist abgefahren. Freut euch, wenn Sturm Graz so etwas Sensationelles geleistet hat. Seid dankbar, wenn sich eure Nationalmannschaft für eine EM oder WM qualifiziert. Aber vom Weltmeistertitel zu faseln, das ist doch weltfremd. Weltmeister werden doch ohnehin eure Skiasse.

news: Als Wahl-Ösi könntest du doch dem österreichischen Fußball ein bisschen auf die Beine helfen – oder nicht?
Beckenbauer: Noch einmal: Unter den jetzigen Bedingungen und mit dieser Struktur hat Österreich im internationalen Fußball keine Chance mehr. Außerdem wissen die Funktionäre, dass ich beim DFB als FC-Bayern-Präsident voll beschäftigt bin. Allerdings verspreche ich den Österreichern eins ganz bestimmt: Für die EM 2008 werde ich die Bewerbung Österreichs mit der Schweiz voll unterstützen, wenn ein gutes Konzept vorliegt. Man kann auf mich als Fürsprecher rechnen, ich werde alle meine internationalen Kontakte einsetzen.

news: Was sagt ein in Österreich glücklicher Bayer zu der derzeit in Deutschland wogenden Diskussion „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“?
Beckenbauer: Nicht wirklich viel. Was kann denn ich dafür, dass ich zufällig in München zur Welt gekommen bin. Genauso gut hätte ich in Bangladesch oder in den Favelas von Rio de Janeiro geboren werden können.

news: Franz, man nennt dich Kaiser, Lichtgestalt, und für viele bist du eine Art lebendes Denkmal, das alle mal gern streicheln wollen. Nerven die Menschen nie?
Beckenbauer: Streicheln muss wirklich nicht sein. Aber hämische oder gar bösartige und gehässige Kommentare habe ich eigentlich noch nie gehört. Ich glaube halt, wenn du den Leuten charmant und offen gegenübertrittst, werden sie dir auch charmant und offen begegnen.

news: Deine neue Dimension liegt noch in weiter Ferne. 2006 findet in Deutschland die Fußball-WM statt, die du Südafrika weggeschnappt hast.
Beckenbauer: Ich war lediglich Spielführer der Deutschen. Das Lob gilt der Mannschaft. Auch Boris Becker und Claudia Schiffer haben mit ihrer Präsenz in Genf dazu beigetragen, vor allem aber Gerhard Schröder. Er kam, obwohl viele politische Freunde ihn gewarnt hatten. Hätte Deutschland die Bewerbung vergeigt, wäre die Opposition vermutlich auch über den Kanzler hergefallen.

news: Am Schicksal des FC Bayern nehmen ja in deiner Wahlheimat viele Menschen Anteil. Immer wieder kündigt Uli Hoeneß an, dass er als Manager alles hinschmeißen will. Meint er das ernst?
Beckenbauer: Uli denkt nach. Die Entwicklung ist nicht in seinem Interesse. Es wird im Profifußball viel zu viel über Geld gesprochen. Die Leistung wird dadurch nicht besser. Zu viele Millionäre, zu wenig Leistung. Die Zuschauer sind frustriert. Diese Fernsehschwemme zerpflückt einen doch über die ganze Woche. Dann diese teilweise miesen Verhandlungspraktiken bei Verträgen. Früher galt das Wort per Handschlag. Heut nützen drei Verträge einen Dreck. Daran verzweifelt der Uli.

Das Interview im vollen Wortlaut lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS.

28.3.2001 15:39