Samstag, 31. März 2001

FORMAT: Neue Köpfe im Rathaus

Knalleffekt nach der Wiener Gemeinderatswahl: Volkspartei und Grüne verweigern bereits nach den ersten Sondierungsgesprächen eine Koalition mit der Rathaus-SPÖ. Michael Häupl muß nun in den nächsten fünf Jahren allein und absolut regieren.

Nach einem überraschend kurzen Gespräch verkündete Görg vergangenen Freitag gelöst und emotionslos das Ende der rot-schwarzen Ehe mit Bürgermeister Michael Häupl: „Es hat kein Angebot für eine Koalition von Seiten der SPÖ gegeben.“ Auch in Gespräche über eine etwaige lose Zusammenarbeit will Görg nicht einsteigen, wie er gegenüber FORMAT versichert: „Alles, was da von der SPÖ kommt, ist doch nur ein Lavendelschmäh. Ich will nicht das Feigenblatt von Bürgermeister Häupl sein. Ich werde ein fröhlicher Oppositionsführer sein.“

Naturgemäß anders sieht das Bürgermeister Häupl. Er bedauert: „Die ÖVP hat mein Angebot in formeller Hinsicht jedenfalls abgelehnt.“ Tatsächlich wollten die Stadtroten bis zuletzt unbedingt mit den Grünen mit Christoph Chorherr an der Spitze oder der Volkspartei in ernsthafte Koalitionsverhandlungen eintreten. Häupl weiß um die Gefahren einer absoluten Mehrheit gut Bescheid. Wenn er in den kommenden Jahren Fehler macht, gibt es niemanden mehr, dem die Rathausgenossen dafür elegant die Schuld zuschieben können. Zudem ergaben Umfragen noch eine Woche vor der Wahl eine klare Präferenz für eine rot-schwarze Stadtregierung.

Neue Köpfe im Rathaus
Mit dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen beginnen nun auch die Personalrochaden am Rathausplatz. Spätestens nach Ostern soll die Wiener Stadtregierung stehen. Häupl wird mit einigen Überraschungen aufwarten: Fix scheint, daß der bisherige Umweltstadtrat Fritz Svihalek seinen Sessel räumen wird. Mehrfach hatte er im kleinen Kreis Amtsmüdigkeit durchschimmern lassen. Im Gespräch für seine Nachfolge ist die Umweltsprecherin im Nationalrat, Uli Sima, sowie Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl. Beide Frauen sieht Häupl selbst allerdings eher für höhere Weihen in der Bundespolitik geeignet.

Sepp Rieder wird den mächtigen Posten des Finanzstadtrats behalten, als Görg-Nachfolger im Planungsressort wird der Gemeinderat Rudolf Schicker gehandelt, der im Bundeskanzleramt für Raumordnung und Raumplanung zuständig ist. Schicker gilt aber auch als Kandidat für die Hatzl-Nachfolge als Klubobmann. Der Simmeringer soll Landtagspräsident werden.

Wechsel auch in der ÖVP
Auch in der Volkspartei wird es in den nächsten Tagen zu personellen Konsequenzen kommen. Görg wird, soviel steht fest, selbst den Posten des Klubobmanns der ÖVP-Fraktion im Rathaus übernehmen. Der Wiener ÖAAB-Chef Matthias Tschirf soll dabei als geschäftsführender Klubobmann agieren. Peter Marboe, bisher Kulturaushängeschild der Stadtschwarzen, wird auf jeden Fall sein Landtagsmandat annehmen, um weiterhin den liberalen Flügel innerhalb der Volkspartei zu repräsentieren.

Görg will sich vor allem in den nächsten Wochen um die Reform der Wiener Volkspartei kümmern und einen neuen Obmann suchen. Favorit ist der Wiener Immobilienfachmann und Gemeinderat Alexander Neuhuber. Sein Nachteil: Neuhuber gilt als Entdecker und Förderer der VP-Kandidatin Gundula Hollauf, die vorvergangene Woche durch ihre Nähe zum Nobelbordell Babylon in die Schlagzeilen geriet.

Mehr dazu finden Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT.

31.3.2001 15:14