Sonntag, 1. April 2001

Der Fluch des Afrikaners

Karl Schlögl hat abgedankt. Der Machtverlust hat den Ex-Innenminister in die politische Depression getrieben. Sein Intimfeind Caspar Einem: "Er hat gelitten wie ein Schwein."

Manchmal, wenn Karl Schlögl wieder einmal nicht schlafen kann, denkt er an jenen Anruf kurz nach Mitternacht, mit dem das ganze Unglück seinen Lauf nahm. "Karl, es ist etwas Fürchterliches passiert", meldete der damalige Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit, Michael Sika, am 2. Mai pflichtbewußt den Tod des nigerianischen Schubhäftlings Marcus Omofuma am 1. Mai 1999.

Ob schwarze Magie oder nicht, auf jeden Fall scheint es das Schicksal mit Karl Schlögl seit damals nicht mehr gut zu meinen. Nach einer Reihe von politischen Mißerfolgen warf der frühere Politdarling vergangene Woche endgültig das Handtuch: Er trat als niederösterreichischer SPÖ-Chef und Landeshauptmannstellvertreter zurück. Nur Bürgermeister der Wienerwaldgemeinde Purkersdorf wolle er "vorerst" bleiben, teilte Schlögl mit. Seine Begründung: "Politik ist kein Job auf Lebenszeit." Mit einer Ausnahme natürlich: "Ich wäre gerne Innenminister geblieben."

In der Partei fehlt aber spätestens seit seinem überraschenden Schritt vergangener Woche jedes Verständnis für sein Selbstmitleid. "Ich bin kein Psychiater, aber das mit dem Innenminister ist so eine fixe Idee von ihm", wundert sich der frühere Finanzminister Rudolf Edlinger.

Einem: Er hat gelitten wie ein Schwein
Schlögls ideologischer Widerpart in der Partei, Caspar Einem, berichtete zudem von starken Stimmungsschwankungen seines Genossen: "Er braucht viel Zuneigung, vor allem von den Medien, und er hat gelitten wie ein Schwein, als er das nicht mehr bekommen hat." In Niederösterreich nämlich hatte der Newcomer aus Wien gegen den amtierenden Landeshauptmann Erwin Pröll von Anfang an medial das Nachsehen.

Mangelnde Motivation
Parteifreunden gegenüber begründet Schlögl seinen Abgang mit "mangelnder Motivation". Vor allem sein erfolgloser Versuch, Viktor Klima als Parteivorsitzender zu folgen und die Freiheitlichen ins Boot mit den Sozialdemokraten zu holen, sollen ihm nahegegangen sein.

Wechselt er zu Stronachs Magna-Konzern?
Einen neuen Job hat Schlögl nach eigenen Angaben noch nicht. Trotzdem hält sich in Niederösterreich hartnäckig das Gerücht, der Ex-Politiker habe vergangene Woche schon bei Frank Stronachs Magna-Konzern in Ebreichsdorf für etliche Millionen im Jahr unterschrieben.

Mehr dazu finden Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT.

1.4.2001 09:11