Samstag, 31. März 2001

FP-Klubchef kritisiert indirekt Haider

Der freiheitliche FP-Klubchef Peter Westenthaler warnt Kritiker in der FPÖ und damit indirekt auch Jörg Haider vor dem Rücktritt von Parteiobfrau Susanne Riess-Passer. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Format: Herr Klubobmann, Jörg Haider hat die Arbeit der Regierung heftig kritisiert und mehr „Politik mit Herz“ eingefordert.

Westenthaler: Das kommentiere ich jetzt sicher nicht im FORMAT.

Format: Warum?

Westenthaler: Weil wir jetzt einen internen Diskussions- und Reformprozeß begonnen haben. Daran halte ich mich eisern.

Format: Was ist in der FPÖ schiefgelaufen, was hat Jörg Haider gemeint?

Westenthaler: Wir waren in jedem Fall zu schnell und haben den Propagandaapparat des roten Amalgams Arbeiterkammer, ÖGB und SPÖ unterschätzt. Die haben die Menschen beinhart belogen, wir müssen da künftig besser dagegenhalten. Dazu gibt es eklatante Schwächen im Verkauf der Regierungspolitik.

Format: Die FPÖ-Ministerriege wird sich nicht mit Kritik an der ÖVP profilieren?

Westenthaler: Wozu? Man wird sich anhand von Themen profilieren. Die FPÖ will wieder zurück zu ihrem Kernthema, dem Unterstützen von sozial Schwächeren, den kleinen Leuten. Diese Rolle haben wir in den letzten Wochen vernachlässigt.

Format: Wie soll das gehen?

Westenthaler: Manch vorzeitige Plauderfreudigkeit verschiedenster Minister gegenüber Medien muß ein Ende haben. Wir müssen Reformen so lange intern diskutieren, bis wir ein fertiges, wasserdichtes Konzept haben. Das Gegackere davor und danach muß aufhören.

Format: Jörg Haider hat gemeint, die bisherige Politik der Regierung sei zu technokratisch.

Westenthaler: Sie können mir glauben, daß wir keine herzlosen Minister haben. Auch der Klubobmann hat Herz und steht hundertprozentig zum Regierungsprogramm. Das haben alle wichtigen Protagonisten unterschrieben. Wir haben gewußt, daß die ersten Monate in der Regierung sehr schwer werden. Es war klar, daß der Dank der Wähler anfangs ausbleibt und die zuletzt stattgefundenen Landtagswahlen zu keinen großen Erfolgen werden. Am Ende der Legislaturperiode ist aber jedem Österreicher klar, daß unser Kurs richtig war. Da haben die Menschen spürbar mehr Geld im Börsel.

Format: Wenn die Niederlagen absehbar waren, ist doch die Aufregung des Ex-Parteiobmannes völlig unverständlich.

Westenthaler: Wir sollten uns alle weniger aufregen und mehr miteinander sprechen. Ich bin der Meinung, daß jede Dramatik aus der Situation herausgenommen werden muß, weil sonst der Reformeifer überdeckt wird. Jetzt ist kühler Kopf zu bewahren. Natürlich war ich anfangs auch selbst ein Skeptiker unserer Regierungsbeteiligung, wäre lieber in der Opposition geblieben. Da hat es andere gegeben, die weit mehr für den Regierungseintritt waren. Jetzt läuft die Sache gut und muß noch besser durchgetragen werden.

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Ausgabe von FORMAT.

31.3.2001 14:40