Freitag, 30. März 2001

Generalversammlung in Oberösterreich

Die Hilfsorganisation "Weißer Ring" für Verbrechensopfer klagt über den ungleichen Aufwand des Staates für die Täter und die Opfer. Das wird auch Thema bei der gesamtösterreichischen Generalversammlung der Organisation morgen in Geinberg in Oberösterreich sein.

"Mit dem Täter befasst sich der Staat sehr ausführlich", schildert Franz Grünbart von der Landesleitung Oberösterreich des Weißen Ringes. Er werde nach einer Tat ausgeforscht und komme vor Gericht. Bei einem Schuldspruch folge der Strafvollzug und der aufwendige Versuch, ihn anschließend wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Das sei auch richtig so, doch dem Opfer werde ungleich weniger staatliche Zuwendung zuteil. Um den Schadenersatz müsse es sich selbst kümmern. Für einfache Opfer, die sich im Umgang mit den Behörden und ihren Rechten nicht gut auskennen, führe das dazu, dass sie in der Regel auf der Strecke blieben.

Der Angeklagte bekomme in seinem Prozess, wenn er bedürftig sei, einen kostenlosen Verfahrenshilfevertreter - das Opfer, wenn es sich als Privatbeteiligter dem Strafverfahren anschließen wolle, derzeit nicht, zeigte Grünbart ein weiteres Problem auf. Zudem könne das Opfer vor allem bei Mittellosigkeit des Täters oder weil dieser längere Zeit ins Gefängnis muss, ohnehin kaum mit Schadenersatz rechnen. Das Verbrechensopfergesetz, das Hilfe vorsehe, sei in der praktischen Anwendung für den einfachen Staatsbürger viel zu kompliziert. Im Vorjahr seien österreichweit vom Sozialministerium zirka 20 Millionen Schilling ausgeschüttet worden, das sei nur ein Bruchteil der tatsächlichen Schäden, lautet eine weitere Kritik des Weißen Ringes.

Der Weiße Ring wurde von TV-Fahnder Eduard Zimmermann - "Aktenzeichen XY-ungelöst" - zunächst in Deutschland gegründet. Seit 1978 gibt es die Hilfsorganisation auch in Österreich. Sie wird mit Spendengeldern finanziert und von ehrenamtlichen Helfern getragen. Geleitet wird sie vom Präsidenten des Jugendgerichtshofes Wien, Udo Jesionek. Jedes Jahr betreut die Organisation - ohne großes Aufsehen in der Öffentlichkeit - rund 1.200 Opfer von strafbaren Handlungen in ganz Österreich.

Der Weiße Ring bietet Informationen über die zur Verfügung stehenden Hilfsmöglichkeiten bei Behörden, spezialisierten Beratungs-, Betreuungs- und Therapieeinrichtungen und hilft obendrein mit rechtlicher Beratung vor allem im Zusammenhang mit Leistungen nach dem Verbrechensopfergesetz (VOG). Dazu kommen noch finanzielle Unterstützungen. Letztere beliefen sich im Vorjahr auf fast eine Million Schilling (72.673 Euro). Die ehrenamtlichen Leistungen der Vorstandsmitglieder und die kostenlosen Beratungen von Helfern des Weißen Ringes würden in Summe weitere vier Millionen Schilling pro Jahr ausmachen.

30.3.2001 11:41