Donnerstag, 29. März 2001

Mazedonische Armee weist Verantwortung von sich

Bei einem Granatenangriff aus Mazedonien sind am Donnerstag in dem Kosovo-Grenzdorf Krivenik drei Menschen getötet worden. Zehn Personen seien verletzt, sagte die KFOR-Sprecherin Alayne Cramer in Pristina.

Unter den Getöten ist auch der britische Journalist Kerem Lawton. Unterdessen hat das mazedonische Verteidigungsministerium in Skopje bestritten, dass Regierungstruppen bei ihrer Offensive gegen die nahe mazedonisch-albanische Rebellenhochburg Gracani auch das Kosovo-Dorf angegriffen haben.

"Vorläufig können wir ausschließen, dass diese Granaten von Stellungen der mazedonischen Armee abgeschossen wurden", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Djordje Trendafilov. Es sei aber ein Untersuchungsteam gebildet worden. KFOR-Sprecher Major Axel Jandesek sagte in Pristina: "Ich gehe davon aus, dass es uns möglich sein wird, dies festzustellen." Der beschossene Ort liegt nur etwa acht Kilometer von Gracani in Mazedonien entfernt. Eine KFOR-Patrouille habe Donnerstag früh Bewaffnete bei dem Ort gesehen, die beschossen worden seien, sagte Jandesek. Ein anderer KFOR-Sprecher sagte, der Beschuss des Dorfes sei gestoppt worden, nachdem die Friedenstruppe bei mazedonischen Stellen interveniert habe.

Unter den Toten soll sich auch ein britischer Kameramann befinden, wie Associated Press Television News (APTN) in London bekannt gab. Ein Sprecher von APTN konnte vorerst nicht bestätigen, ob der Kameramann bei dem Angriff getötet wurde oder später seinen Verletzungen erlegen sei. Laut KFOR wurde der Brite verletzt und per Hubschrauber ins Hauptquartier der US-Streitkräfte im Südosten des Kosovo gebracht. Ein UCK-Kommandant sagte, die Granaten seien von mazedonischen Stellungen abgefeuert worden.

Mazedonischen Truppen setzten ihre Offensive gegen die albanische UCK-Milizen entlang der Nordgrenze zum Kosovo fort. "Wir intensivieren unsere Operationen zur Zerschlagung und Eliminierung terroristischer Gruppen", erklärte Armeesprecher Oberst Blagoje Markovski. Armee- und Polizeiverbände konzentrierten sich auf den Grenzposten Caska und die Ortschaften Brest, Gosince und Malina, sagte der Sprecher. Unterdessen starb ein mazedonischer Offizier am Mittwoch bei der Explosion einer Panzermine.

Die Sicherheitskräfte hatten am Vortag eine breiter angelegte Offensive begonnen, um albanische UCK-Rebellen aus den Gebieten zwischen Skopje, Kumanovo und der Grenze zum Kosovo zu vertreiben. Die Regierungstruppen hatten am Wochenende die UCK-Rebellen aus dem Gebiet zwischen Tetovo und der Grenze zum Kosovo vertrieben. Spezialeinheiten sprengten am Donnerstag die von den Freischärlern zurückgelassenen, weitläufigen Bunkeranlagen.

Der NATO-Rat wird am Dienstag in der mazedonischen Hauptstadt Skopje tagen. Am Tag darauf sei eine Begegnung in der Kosovo- Hauptstadt Pristina vorgesehen, sagte ein NATO-Beamter am Donnerstag in Brüssel. "Das Treffen war schon vor längerer Zeit geplant worden." Dem Gremium gehören die NATO-Botschafter der 19 Mitgliedsländer an.

Die Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla Del Ponte, wird ein Ermittler-Team nach Mazedonien entsenden. Sie sollen mögliche Übergriffe der albanischen UCK-Rebellen bei den jüngsten Kampfhandlungen untersuchen. Dies erklärte Del Ponte am Mittwochabend in Skopje vor Journalisten. "Falls Verbrechen begangen wurden, werden wir eine Ermittlung betreffend dieser Verbrechen einleiten", sagte sie.

29.3.2001 18:18