Donnerstag, 29. März 2001

"Sicherheit ist extrem gefährdet"

Eisenbahngewerkschafter haben am Donnerstag in allen größeren Bahnhöfen gegen befürchtete Verschlechterungen in Sicherheitsbelangen demonstriert. Gefordert wurde auch, dass die Infrastruktur der Eisenbahnen in öffentlicher Hand bleibt.

Im Rahmen eines Aktionstages der internationalen Transportarbeitergewerkschaft (ITF) warnte der Vorsitzende der österreichischen Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, vor Gefahren, die durch Privatisierung, fehlende europäische Standardvorschriften und durch den Import osteuropäischer Transportleistungen entstehen könnten.

So sei vor kurzem an der österreichischen Grenze ein polnischer Zug abgefangen worden, bei dem sieben von neun Waggons wegen Sicherheitsmängeln nicht weiterfahren hätten dürfen. Die Infrastruktur der Eisenbahnen müsse in öffentlicher Hand bleiben, ein "Mindestniveau sicherheitsrelevanter Ausbildung" müsse für alle Eisenbahnen in Europa gewährleistet sein, forderte Haberzettl, der auch ITF-Präsident ist. In einer eigenen Aktion warnten etwa zwei Dutzend Aktivisten des Gewerkschaftlichen Linksblocks (GLB) vor einer "Zerschlagung" der ÖBB durch die Regierung.

In einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Aktionstages übte SP-Verkehrssprecher Kurt Eder heftige Kritik an der Verkehrspolitik der Regierung, die eine "Lobbypolitikgegenüber den Frächtern" sei und die ÖBB-Beschäftigten psychologisch verunsichere. Eder sprach sich dagegen aus, die ÖBB, die ein gemeinwirtschaftliches Unternehmen bleiben solle, in zwei Gesellschaften (Schiene und Rad) zu zerlegen. Nicht zur Diskussion erschienen waren die ebenfalls eingeladenen Verkehrssprecher der Regierungsparteien Reinhold Firlinger (F) und Herbert Kukacka (V) sowie die grüne Verkehrssprecherin Eva Lichtenberger.

Die Gewerkschaft informiert heute in allen größeren Bahnhöfen Reisende zum Thema Sicherheit und Eisenbahn. Weltweit beteiligen sich Gewerkschafter in mehr als 50 Ländern am Aktionstag.

29.3.2001 13:31