Freitag, 30. März 2001

Internationale Bemühungen um Ende des Konflikts

Die mazedonische Regierung hat die Militäroffensive gegen die albanischen Aufständischen am Freitag für beendet erklärt. Man habe die Schlüsselpositionen im Grenzgebiet wieder unter Kontrolle, sagte Regierungssprecher Antonio Milososki.

Zuvor hatte die internationale Gemeinschaft den Druck auf die mazedonische Regierung erhöht. Unter anderem hatte der Leiter der UNO-Mission im Kosovo (UNMIK), Hans Häkkerup, bei einem Treffen mit der Regierung in Skopje eine politische Lösung des Konflikts gefordert.

Milososki sagte nicht, ob es sich um eine längere Gefechtspause handle. Allerdings stellte er Verhandlungen mit gemäßigten Vertretern der Albanern in Aussicht. Die politische Schlacht stehe allerdings noch bevor, sagte Milososki. Gespräche mit den Rebellen lehnt die Regierung weiter ab. Die Rebellen wollten die Erfolgsmeldung der Regierung über die Eroberung der Schlüsselpositionen bisher nicht kommentieren.

Die mazedonischen Truppen seien bei ihrem Vorstoß in die Hochburgen der Rebellen an der Grenze zum Kosovo auf keinen Widerstand gestoßen, sagte Oberst Blagoja Markovski. Rund 20 Aufständische, die das Feuer auf eine Armeepatrouille bei Jazince eröffnet hätten, seien in der Nacht ins Kosovo zurückgedrängt worden.

UNO-Kommissionsleiter Häkkerup sagte nach seinem Treffen mit der mazedonischen Regierung, es sei jetzt sehr wichtig, das Problem politisch anzugehen, damit die Extremisten nicht gewännen. Die NATO und die Vereinten Nationen bemühten sich, die Infiltrierung aus dem Kosovo zu beenden und die Grenze gegen illegale Übertritte zu verschließen. Es gebe offensichtliche Verbindungen zwischen Extremisten im Kosovo und in Mazedonien, sagte Häkkerup. So könne die Gewalt vom Kosovo nach Mazedonien übergreifen - aber auch umgekehrt.

Besorgt zeigte sich Häkkerup über den Mörserangriff vom Donnerstag auf ein Dorf im Kosovo. Er forderte eine umfassende Untersuchung der Vorfälle. Beim Einschlag mehrerer Granaten waren dort zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden. Die Geschosse trafen den Ort Krivenik, der nur rund einen Kilometer von der Grenze zu Mazedonien entfernt liegt. Sowohl die mazedonische Armee als auch die gegen die Regierungstruppen kämpfenden albanischen Extremisten lehnten die Verantwortung für den Zwischenfall ab.

NATO-Generalsekretär George Robertson sagte in Warschau, er sei entschlossen, die Wahrheit über den Granatenangriff in Krivenik herauszufinden. Der mazedonische Präsident Boris Trajkovski habe ihm telefonisch erklärt, dass seine Streitkräfte nicht daran beteiligt gewesen seien. Der NATO-Generalsekretär rief die Rebellen wieder dazu auf, ihre Waffen niederzulegen.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sprach sich am Freitag für einen politischen Dialog zwischen der mazedonischen Regierung und den albanischen Rebellen aus. Der Sondergesandte der OSZE für Mazedonien, Robert Frowick, erklärte nach Gesprächen mit Vertretern beider Seiten in Wien: "Dies ist der Moment der Wahrheit für Mazedonien."

30.3.2001 18:25