Dienstag, 27. März 2001

Abgeordneter soll in Kunstschmuggel verwickelt sein

Politiker dürften in der Türkei nicht ausreichend verdienen, denn - was würde sonst einen türkischen Abgeordneten dazu verleiten, zwei Picasso-Gemälde illegal zu verkaufen?

Das türkische Parlament hat am Dienstag die Immunität eines Abgeordneten aufgehoben, der am Wochenende beim versuchten illegalen Verkauf von zwei angeblichen Picasso-Gemälden festgenommen worden war. Die Abgeordneten stimmten am Abend mit großer Mehrheit dafür, dem parteilosen Politiker Mustafa Bayram aus dem südosttürkischen Van den Schutz vor Strafverfolgung zu entziehen.

Verdeckte Ermittler hatten Bayrams Neffen und Chauffeur beim Versuch gefilmt, die Kunstwerke unter der Hand für mehrere Millionen Schilling zu verkaufen. Bayram selbst wartete während der Verkaufsverhandlungen mit den als Kaufinteressenten getarnten Polizisten in seinem Wagen. Wegen seiner parlamentarische Immunität musste er umgehend wieder auf freien Fuß gesetzt werden, während seine mutmaßlichen Komplizen in Polizeihaft kamen.

Anlass für die Aufhebung der Immunität Bayrams war jetzt aber nicht seine Verwicklung in den versuchten Picasso-Verkauf, sondern seine mutmaßliche Beteiligung an einem früheren Kunstschmuggel und einer Schießerei. Die Parlamentsentscheidung öffnet nun aber auch den Weg für strafrechtliche Ermittlungen wegen der Picasso-Bilder.

27.3.2001 21:52