Donnerstag, 29. März 2001

Arafat-Villa bei israelischem Angriff beschädigt

Gewaltspirale dreht sich weiter: Bei Zusammenstößen im Gazastreifen sind wieder zwei Palästinenser ums Leben gekommen Ein Jugendlicher wurde von israelischen Soldaten tödlich ins Herz getroffen; ein Angehöriger der palästinensischen Elite-Einheit "Force 17" kam bei einem Schusswechsel ums Leben.

Bei den anhaltenden Zusammenstößen im Gaza-Streifen haben israelische Soldaten erneut zwei Palästinenser erschossen. Bei Auseinandersetzungen mit Demonstranten wurde nach Augenzeugenberichten ein 15-Jähriger östlich der Stadt Gaza von einem israelischen Geschoss tödlich ins Herz getroffen. Vier Palästinenser wurden verletzt.

Wenige Stunden zuvor war nach israelischen Angaben außerdem ein Mitglied der palästinensischen Elite-Einheit "Force 17" bei einem versuchten Anschlag auf einen israelischen Militärstützpunkt im Gazastreifen getötet worden. Der Mann eröffnete den Angaben zufolge mit einem Schnellfeuergewehr das Feuer auf die Soldaten. Diese hätten zurückgefeuert und den Angreifer getötet. Nach Angaben von Familienangehörigen wurde der 23-Jährige durch einen Schuss in die Brust getötet.

Am Mittwochabend waren bei Raketenangriffen israelischer Kampfhubschrauber auf Büros der "Force 17" in den Autonomiestädten Gaza und Ramallah zwei Palästinenser getötet und mehr als 60 verletzt worden. Zehn der Büros wurden bei den Vergeltungsschlägen für die jüngste Welle palästinensischer Terroranschläge zum Teil vollständig zerstört. Auch die Villa Arafats in Gaza wurde erheblich beschädigt. Nach palästinensischen Angaben traf ein Geschoss das Wachhaus seiner Leibgarde vor dem Haus. Zudem wurde ein Zimmer getroffen und fast vollständig zerstört.

Den Militärangriffen waren Bombenanschläge der Palästinenser vorausgegangen. Ein Selbstmordattentäter hatte sich nahe der israelischen Stadt Kfar Saba in einer israelischen Schülergruppe in die Luft gesprengt und zwei Jugendliche mit in den Tod gerissen. Zu dem Attentat bekannte sich die radikal-islamische Gruppe Hamas und kündigte weitere Selbstmordanschläge an. Ein anonymer Anrufer sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es stünden noch sieben Selbstmordattentäter bereit. Es war bereits der dritte Bombenanschlag innerhalb weniger Tage.

Nach den Attentaten und den israelischen Vergeltungsangriffen haben die USA zu einem Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgerufen. Präsident George W. Bush forderte die Palästinenser auf, sich öffentlich gegen Gewalt und Terrorismus auszusprechen. In der Erklärung des Präsidialamtes wird zugleich auch die israelische Seite zur Zurückhaltung aufgefordert.

Die Palästinenser sollten die für die Gewalt Verantwortlichen festnehmen und die Zusammenarbeit mit den Israelis in Sicherheitsfragen wieder aufnehmen, forderte Bush. Im Gegenzug müsse Israel die Abriegelung der palästinensischen Gebiete aufheben. Zuvor hatte bereits das US-Außenministerium erklärt, dass es keine militärische Lösung des Konflikts gebe.

29.3.2001 12:12