Deutsche Abgeordnete als Versuchskaninchen

Achtung, Feind hört mit! Einem deutschen TV-Team ist der Beweis gelungen, wie leicht lauschen ist: Die Bundestags-Abgeordnete Angelika Beer war als Versuchskaninchen eingeweiht - mit einem geschickt getarnten E-Mail wurde auf ihrem Rechner ein so genannter Trojaner installiert.
Mit dem Trojaner wurde ihr Computer zu einem Sender umfunktioniert. So war es möglich, die Rüstungsexpertin der Grünen über ein eingebautes Mikrofon in ihrem Laptop-Computer abzuhören. Das ARD-Team habe dazu nicht einmal in ihre Räume eindringen müssen...
Der Lauschangriff habe auch dann funktioniert, wenn der PC nicht mit dem Internet verbunden gewesen sei. Beer zeigte sich schockiert über diese einfache Abhörvariante: "Ich bin sprachlos, weil ich eigentlich als Verteidigungspolitikerin Vorsichtsmaßnahmen bei vertraulichen Gesprächen treffe."
Sicherheitsexperten kennen dem Sender zufolge diese Möglichkeit des Lauschangriffs. Bernd Bühner, der Geschäftsführer von Control Risks Deutschland, einem der weltweit wichtigsten Sicherheitsunternehmen, sagte: "Wir ernten oft Unglauben, wenn wir unsere Kunden warnen, dass sie über ihren eigenen PC abgehört werden können."
Bei den Recherchen stieß das Magazin "Plusminus" nach eigenen Angaben größtenteils auf Schweigen bei Industrie und Behörden. Mit Ausnahme der Industrie- und Handelskammer Köln hätten nur wenige ausdrücklich vor dieser Sicherheitslücke gewarnt, obwohl diese Abhörtechnik gerade für Wirtschaftsspionage missbraucht werden könne. Experten schätzten den Schaden durch Wirtschaftsspionage allein für die deutsche Industrie auf 20 bis 40 Milliarden Mark (20,5 Mrd. Euro/281 Mrd. S).
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