Freitag, 30. März 2001

"Rekordzeit" von Dannenberg nach Gorleben

DIASHOW

Mit einem Tag Verspätung erreichte der Castor-Transport das Atommüll-Zwischenlager Gorleben. Die Folgen des Atommüll-Transports für die Zukunft der Atommülltransporte waren Streitthema im deutschen Bundestag.

SPD-Politiker forderten während einer Aktuellen Stunde eine schnelle Verabschiedung eines Atomgesetzes, um Castortransporte in Zukunft zu verringern. Die Opposition kritisierte die Regierung, eine Mitschuld an den heftigen Castor-Protesten zu haben.

Die SPD will nun das Atomgesetz bis zur Sommerpause vorliegen haben. "Alle paar Monate solche Bilder, das kann sich die Koalition nicht leisten ", meinte der SPD-Fraktionsvize Michael Müller.

Die Grünen thematisierten den Endlagerstandort Gorleben. Grünen-Sprecher Rezzo Schlauch meinte, seine Partei sei sich politisch einig, dass man Gorleben nicht wolle. Da im Salzstock dort ein Wassereinbruch nicht ausgeschlossen werden könnte, müßte wieder bundesweit ein neues Endlager gesucht werden. Sein Vorschlag, mögliche Endlager im Süden Deutschlands zu prüfen, stieß auf heftigen Widerstand der Union.

Verurteilung der Gewalt der Castor-Gegner
Einmütig verurteilten alle Fraktionen die Gewalt einer Minderheit der Demonstranten. Der CDU-Umweltexperte Peter Paziorek meinte, die Regierung habe sich mit ihrer Kritik an den Protesten zu sehr zurückgehalten. Die Warnungen des Innenministers Otto Schily an die Demonstranten seien zu spät gekommen.

Schily kündigte dagegen an, die Straftäter mit der vollen Härte des Gesetzes zu verfolgen. "Es soll sich niemand anmaßen, Recht und Gesetz außer Kraft zu setzen", so Schily. Auch Umweltminister Jürgen Trittin verurteilte die Gewalt. Vor allem die Aktion der Umweltorganisation "Robin Wood" sei unverantwortlich, weil Jugendliche an den Blockadeaktionen beteiligt gewesen sind. Gleichzeitig appellierte Trittin an die Atomwirtschaft, den Konsens schnell zu unterschreiben.

Castor sicher in Gorleben
Bereits am frühen Morgen war der Atommüll-Transport aus der französischen Wiederaufarbeitungs-Anlage La Hague ohne nennenwerte Störungen in Gorleben angekommen. Die sechs Sattelschlepper mit den Castoren legten die rund 20 Kilometer lange Strecke auf der Landstraße von der Verladestation Dannenberg nach Gorleben zügig zurück. Nach Angaben der Polizei gab es lediglich eine Straßen-Blockade von Atomkraftgegnern. Diese sei aber schnell geräumt worden.

Entlang der Landstraße nach Gorleben hatten bereits in der vergangenen Nacht Tausende Polizisten und Beamte des Bundesgrenzschutzes Stellung bezogen. Am Zwischenlager Gorleben fuhren Wasserwerfer und Räumfahrzeuge auf. Rund 15.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Der Zug war erst am Mittwochabend in Dannenberg eingetroffen. Atomkraftgegner hatten den Zug fast 20 Stunden aufgehalten, indem sie sich an einer Betonkonstruktion unter den Bahngleisen angekettet und festbetoniert hatten.

30.3.2001 09:33