Montag, 26. März 2001

Gewaltwelle in Nahost

Israel besteht nicht länger darauf, dass die Intifada gestoppt wird, bevor Verhandlungen mit den Palästinensern aufgenommen werden.

Das sagte Salman Schoval, ein Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon. Sharon hatte bislang betont, Gespräche mit den Palästinensern würden erst dann stattfinden, wenn die Gewalt in den Palästinensergebieten vollständig aufhört.

Sharon: Komitee ist "historischer Fehler"

Das internationale Komitee zur Prüfung der Ursachen der andauernden Nahost-Unruhen ist nach Ansicht von Sharon ein historischer Fehler. Sharon sagte im israelischen Fernsehen, niemand habe das Recht, Israel vor aller Welt vor Gericht zu stellen. Er habe jedoch keine andere Wahl, als sich mit dem Komitee zu treffen, sagte er kurz vor einem Gespräch mit Vertretern des Gremiums.

Israelis und Palästinenser hatten sich im Oktober - vor dem Beginn von Scharons Amtszeit - auf die Bildung des fünfköpfigen Komitees unter Leitung des ehemaligen US-Senators George Mitchell geeinigt. Das Komitee, das bereits mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat gesprochen hatte, beriet anderthalb Stunden mit Scharon.

Sharon sagte, jeder wisse, dass die Unruhen "eine strategische Entscheidung von Arafat sind". Nach dem Scheitern der Friedensgespräche im Juli in Camp David habe Arafat geglaubt, dass er mehr erreichen könne, wenn er eine "Welle des Terrorismus" freisetze.

Mitchell wies die Einwände Sharons zurück. Das Komitee wolle keine Schuldzuweisungen aussprechen, sagte Mitchell nach einem Gespräch mit dem israelischen Präsidenten Mosche Katsav.

Vorerst keine UN-Resolution

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat seine Beratungen über eine Resolution zum Nahost-Konflikt ohne Ergebnis unterbrochen. Die Verhandlungen sollen jedoch am Montag fortgesetzt werden. Es geht bei der Sitzung um die Forderung der Palästinenser nach einer unbewaffneten UN-Polizei- und Militärbeobachtertruppe. Die Beobachter könnten dazu beitragen, in dem seit Ende September anhaltenden Aufstand der Palästinenser Menschenleben zu retten. Israel ist strikt gegen jegliche UN-Intervention. Die US-Regierung hat ebenfalls starke Bedenken geäußert.

26.3.2001 10:24