Szene-Liebling Minogue: "Teenie-Pop ist harte Arbeit"

Diashow: Kylie Minogue
Perfekter Markenartikel der Pop-Musik: Mit erfolgsträchtigen Duetten und erotischen Posen schaffte es Kylie Minogue, zum Darling der Presse und des Publikums zu werden - auch wenn ihre eigenen Alben der Reihe nach floppen.
Natürlich ist Popmusik ein Supermarkt: Alles lecker, verlockend, glücklich machend. Da gibt es starke Marken und preiswerte No-Name-Artikel. Ständig werden neue Produkte eingeführt, und wenn die Nachfrage nach einem Klassiker sinkt, dann lässt man sich eben etwas Verkaufsförderndes einfallen. Selbst wenn gar nichts mehr geht: Sex hilft immer, oder jedenfalls meistens.
Niemand weiß das so gut wie die Popsängerin Kylie Minogue, die nächste Woche für drei Konzerte nach Deutschland kommt. Kylie wirkt selbst in High Heels von Manolo Blahnik noch klein und zerbrechlich. Eine Frau, die Männer gerne beschützen möchten, weil sie so gar nichts Bedrohliches an sich hat. Ein Fleisch gewordener Männertraum, sexy, stylish, aber nicht zu selbstbewusst. Ein 32-jähriges Mädchen, das heute so selbstverständlich ihre Images wechselt wie früher die Kleider ihrer Puppen. Sie trinkt mit Robbie Williams im Swimmingpool Champagner - zumindest im Video zum gemeinsamen Song "Kids" - und auf ihrer aktuellen Single behauptet sie leicht geschürzt im Stil der Pet Shop Boys: "Your Disco Needs You".
Angefangen hat Miss Minogue 1986 in ihrer Heimat Australien, mit der TV-Soap "Neighbours". Damals trug sie noch eine lockige Pudelfrisur, Miniröcke mit Hosenträgern und sang mit quäkender Stimme ihren ersten Hit "I Should Be So Lucky". Kylie Minogue, Modell 1988, war die Verkörperung von quietschbuntem Plastik-Pop und wurde produziert von Stock/Aitken/Waterman. Das Trio war seinerzeit berüchtigt, für ewig gleich klingende, aber dabei doch ungeheuer erfolgreiche Fließbandsongs. "Teenie-Pop ist harte Arbeit", sagt Kylie heute, "Ich wette, Britney Spears und Christina Aguilera haben nicht mal die Zeit sich zu kratzen, wenn es sie juckt".
Bis Anfang der Neunziger hat Kylie das ebenso brave wie fleißige Mädchen von nebenan gespielt. Dann verwandelte sich die singende Dauerwelle in eine tickende Sexbombe. In England hält sich hartnäckig das Gerücht, mit ihrem damaligen Freund, dem INXS-Sänger Michael Hutchence, habe sie sogar im Flugzeug Sex gehabt - zwei Sitzreihen hinter dem australischen Premierminister. Das Image der Sauberfrau war Kylie danach jedenfalls los. Auch ihre Platten klangen plötzlich ganz anders: House mit einer Extraportion Pop war nun angesagt. In Interviews präsentiert sich die Trägerin des "Elle Style Awards" als smarte Entertainerin, die ihren Marktwert genau kennt.
"Es ist ein harter Wettbewerb"
Doch auch wenn die Kritiker schwärmen: Kylies Platten sind - gemessen an der Popularität der Sängerin - nicht gerade Verkaufsrenner. In den letzten Jahren hatte sie in Deutschland nur einen einzigen Hit - als Gastsängerin auf einer Platte ihres Landsmannes Nick Cave: Der Song "Where The Wild Roses Grow" war ein morbides Duett zwischen einem Mörder und dem Geist seines Opfers. Auch ihr jüngster Erfolg "Kids" ist ein Duett, diesmal allerdings mit dem stets gut gelaunten Robbie Williams. Da klingt Kylie plötzlich wieder sehr nach Pop, sehr nach Radio, sehr nach Charts. "Es würde mich ärgern", behauptet sie, "wenn die Leute jetzt sagen: Sie hat sich neu erfunden. Mein Album "Light Years", aus dem der Song "Kids" stammt, ist einfach die Zusammenfassung eines bestimmten Lebensabschnitts. Die Medien tun immer so, als sei jede Kleinigkeit 'larger than life'."
Dabei spielt Kylie selber gerne mit den Medien und ist sich ihres "Warencharakters" stets bewusst. Für ausgewählte Magazine lässt sie sich sogar in erotischen Posen fotografieren: "Na und?" zuckt sie mit den Schultern. "Es ist ein harter Wettbewerb. Schauen Sie sich die Videos von Jennifer Lopez an, oder Britney Spears in einem Catsuit aus PVC. Das war schon immer so - nur, dass man heute mehr Fleisch sieht."

