Die Trilogie kommt im Dezember 2001, 2002 und 2003

Mit der Fantasy-Trilogie ,Der Herr der Ringe‘ startet zu Weihnachten das tollkühnste Wagnis der Filmhistorie in den Kinos. Entweder das 5,6-Milliarden-Schilling-Unternehmen gerät zum Mega-Triumph – oder ein ganzes Studio geht baden.
Die Rede ist von der Time-Warner-Tochter New Line Cinema, die für die Adaption des J.-R.-R.-Tolkien-Klassikers das größte Produktionsrisiko auf sich nahm, das einem Lichtspiel je zuteil wurde.
In 438 Drehtagen wurden in Neuseeland alle drei Teile auf einmal inszeniert, ein Novum in der Zelluloidgeschichte. Sollte das erste Kapitel, The Fellowship of the Rings (ab 20. 12. in Österreich), beim Publikum durchfallen, braucht New Line gar nicht erst abzuwarten, wie sich die Sequels The Two Towers und The Return of the Kings (starten zu Weihnachten 2002 bzw. 2003) entwickeln. Für den Konkurs reicht ein Flop zum Auftakt.
Im Moment deutet freilich alles auf einen Sensationserfolg der Ringe-Saga hin.
- Als Regisseur Peter Jackson (Heavenly Creatures) im Herbst den provisorischen Fellowship-Trailer ins Internet stellte, luden ihn bereits am ersten Tag nicht weniger als 1,7 Millionen Surfer auf ihre Festplatten. Zu Spitzenzeiten werden die offiziellen Homepages www.lordoftherings. net (englisch) und www.herr-der-ringe-film.de (deutsch) 40 Millionen Mal wöchentlich abgerufen.
- Die dreibändige Romanvorlage ist mit 50 Millionen verkauften Exemplaren – und einem Vielfachen an Lesern – das meistverschlungene Buch des 20. Jahrhunderts, einzig die Bibel läuft besser.
Geht nur ein Bruchteil der Web-User und Fans der gedruckten Fassung ins Kino, ist Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung den zweiten Platz auf der All-Time-Einspielliste (922 Mio. $) los – und Titanic (1,8 Mrd. $), Blockbuster aller Blockbuster, erstmals ernstlich in Gefahr, entthront zu werden.
Der Hype um die Herr-der-Ringe-Verfilmung stimmt nicht zuletzt deshalb, weil sich Inszenator Jackson, der das Projekt seit über zehn Jahren verfolgt, höchster (im Realfilm machbarer) Werktreue verschrieben hat. Dass die Rechte der Fabel um die goldene Titel-Pretiose, in der alle Macht der „Mittelerde“ schlummert und die ihren Besitzer über kurz oder lang versklavt, in Händen des Disney-Ablegers Miramax lagen, ließ eine Verniedlichung des Stoffes befürchten – und das zu Recht.
„Miramax wollte den Wälzer in einem Film verwursten“, so der Regisseur, doch machten weder er noch – posthum – der Autor mit. J. R. R. Tolkien hatte in düsterer Voraussicht testamentarisch verfügt, dass Disney die Finger von seinem Lebenswerk zu lassen habe. So kam New Line zum Zug – und als Executive Producer ein ausgewiesener Experte für die seriöse Bearbeitung epischer Literatur. So zeichnete Saul Zaentz unter anderem für den neunfachen Oscar-Hit Der englische Patient verantwortlich.

