Bereits vor Beginn den Verhandlungstisch verlassen

Bei der OMV hängt der Haussegen schief: Die Belegschaft wirft dem Vorstand vor, nicht alle Karten auf den Tisch zu legen und nicht zu sagen, was mit den Mitarbeitern im Falle einer Ausgliederung des Gasgeschäfts geschieht. Sollte der Vorstand nicht einlenken, droht der Betriebsrat mit "gewerkschaftlichen Maßnahmen".
OMV-Generaldirektor Richard Schenz wirft dem OMV-Betriebsrat mangelnde Gesprächsbereitschaft vor. "Man hat nicht einmal zu verhandeln begonnen und schon verlässt der Betriebsrat wieder den Verhandlungstisch", erklärte der OMV-Chef am Freitag, einen Tag nach der als gescheitert zu betrachtenden Aussprache zwischen Chefetage und den Belegschaftsvertretern. Am Donnerstag hatte der Vorstand das Treffen noch als "sachlich" bezeichnet, der Betriebsrat dagegen dem Vorstand vorgeworfen, er entschärfe die Konfliktsituation nicht. Am Freitag erklärte sich der Vorstand erneut verhandlungsbereit, nächste Woche soll es weitere Gespräche geben.
Der Vorstand habe bei den Gesprächen zur Eröffnung ein Verhandlungsangebot auf den Tisch gelegt. Aber, so Schenz: "Wenn der Verhandlungspartner nur kategorisch Nein sagt, dann gibt es tatsächlich nichts zu verhandeln. Unsere Linie ist klar. Wir reden jetzt über die Modalitäten zur Verselbständigung des Gasbereiches."
Der gesamte Vorstand habe entschieden, so Schenz, dass damit die anderen Projekte bis auf weiteres auf Eis gelegt seien. Man habe dieses Angebot gemacht, weil dem Vorstand unverändert ein konstruktives Miteinander für das Unternehmen wichtig ist.
Von Seiten des Betriebsrates gäbe es nicht nur kein Verhandlungsangebot, sondern auch keine Bereitschaft, Minimal-Regeln einzuhalten. Der OMV-Chef: "Warum sonst wird diese kategorische Ablehnung nicht während des Gespräches mit dem Vorstand kundgetan, sondern erst ein paar Stunden danach via Mail an die Mitarbeiter?"
Betriebsrat bekräftigt seine Gesprächsbereitschaft
OMV-Zentralbetriebsratsobmann Leopold Abraham hat am Freitag den Vorwurf von OMV-Generaldirektor Richard Schenz zurückgewiesen, der Betriebsrat habe in der letzten Gesprächsrunde den Verhandlungstisch noch vor Verhandlungsbeginn verlassen.
"Das stimmt nicht", betonte Abraham und bekräftigte auch die Gesprächsbereitschaft der Arbeitnehmervertreter zu dem für nächste Woche geplanten Treffen mit dem Vorstand.
Vom Vorstand mahnte Abraham ein, er solle nicht Vereinbarungen, die schon einmal zu einzelnen Punkten getroffen worden seien, abrücken, denn dies würde die Gespräche erschweren: "Der Vorstand kann nicht von Mal zu Mal die Meinung ändern."

