Freitag, 23. März 2001

Lufthansa-Mitarbeiter streiken

Die Deutsche Lufthansa hat einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach sie weniger Gewinn ausweisen werde. Dennoch verloren die Aktien der Fluggesellschaft gegen den Trend um rund vier Prozent.

"Wir wissen, auf welche Unterlagen sich die "Financial Times Deutschland" bezieht," sagte Konzernsprecherin Christine Ritz. Angaben zu den Prognosen des Unternehmens wollte sie jedoch nicht machen. "Wir haben die Finanzmärkte immer über den aktuellen Geschäftsverlauf informiert und werden dies auch weiter so handhaben", sagte Ritz. Der Vorstand werde Ende April die Bilanz vorstellen.
Die Zeitung hatte berichtet, der operative Gewinn der Lufthansa werde in diesem Jahr auf 650 Millionen Euro von 1,04 Milliarden Euro im Vorjahr fallen. Das gehe aus einem internen Vorstandspapier hervor. Zudem werde die Kennziffer Cash Value Added (CVA) 27 Millionen Euro betragen, ein Minus von 95 Prozent. Die CVA misst, wie viel Geld nach Abzug der Kosten zur Beschaffung von Fremd- und Eigenkapital bleibt.

Branchenkenner erwarten, dass die Lufthansa ihr Vorjahresergebnis leicht übertreffen werde. Dem Zeitungsbericht liege ein "Worst-Case-Szenario" zugrunde, das nicht der Realität entspreche, sagte Uwe Weinreich, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Dazu müssten alle denkbar schlechten Entwicklungen zusammenkommen, wie Null-Wachstum in Amerika, schlechte Entwicklungen in Europa und Asien, hohe Tarifabschlüsse und ein weiterhin steigender Ölpreis. Weinreich rechnet damit, dass der Umsatz um sieben Prozent und der operative Gewinn um 12,5 Prozent steigen werde.

Nach eigenen Angaben hat die Lufthansa in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gut 6,8 Millionen Passagiere befördert. Das seien zusammengerechnet etwa 6,6 Prozent mehr Personen als im Vorjahr. Das Wachstum habe sich aber im Februar auf ein Plus von 1,7 Prozent nach einem Zuwachs von fast zwölf Prozent verlangsamt.

Belastend wirkte sich auch der Streik von rund 10.000 Lufthansa-Beschäftigten auf den Aktienkurs aus. Bundesweit waren 75 Flüge ausgefallen. Davon betroffen waren rund 7000 Passagiere. Bis zum Mittag werde sich die Situation an den deutschen Flughäfen wieder stabilisieren, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow.

Mitarbeiter an den Abfertigungsschaltern, in Technik und Verwaltung waren dem Aufruf der neuen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für drei Stunden gefolgt. Sie wollen Druck machen für die Tarifgespräche für die 51.000 Beschäftigten im Bodenpersonal. Die Gespräche bei Frankfurt wurden jedoch auf 13 Uhr verschoben, weil wegen des Streiks nicht alle Teilnehmer rechtzeitig anreisen konnten.

Das von der Lufthansa Anfang März vorlegte Angebot sei nicht ausreichend und entspreche nicht der guten wirtschaftlichen Situation des Konzerns, sagte Verdi-Tarifsekretär Andreas Heß. Die Lufthansa will 2,6 Prozent mehr Einkommen und eine Ergebnisbeteiligung von 1,6 Prozent zahlen.

23.3.2001 14:01