Donnerstag, 22. März 2001

Libro laut Erste Bank ohne Lion.cc überbewertet

Mit einem Neuverschuldungsgrad von 141 Prozent - nach nur 63 Prozent im Februar 2000 - und einer Nettoverschuldung von 96 Mill. Euro (1,3 Mrd. S) scheine der börsenotierte Buch- und Medienhandelskonzern Libro "nach wie vor nicht unterbewertet", meint Erste Bank Analyst Günther Artner in einer aktuellen Analyse.

Ohne Lion.cc sei Libro vergleichen mit anderen Non-Food-Handelskonzerne gemessen am Verhältnis von Unternehmenswert (EV) und Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) sogar um knapp 50 Prozent überbewertet. Als Basis dieser Berechnung dienen Artner die erwarteten Ergebnisse des Geschäftsjahres 2000/01. Der "enterprise value" setzt sich aus Aktienzahl mal Kurs plus Bankverbindlichkeiten minus Cash zusammen.

Libro muss seine Profitabilität steigern, um den dahindümpelnden Aktienkurs wieder nach oben zu bringen, heißt es in der Analyse weiter. Daher hält das Kreditinstitut seine "Neutral"-Bewertung aufrecht. Der Verlust pro Aktie wird 2000/01 voraussichtlich von zuletzt 0,18 auf 0,56 Euro steigen.

Für das Ende Februar abgelaufene Geschäftsjahr 2000/01 erwartet Artner nur im Libro-Kerngeschäft in Österreich positive Ergebnisse. Alle anderen Segmente, von Amadeus über Libro Deutschland bis Lion.cc und dem neuen Entertainment-Bereich werden negative EBITDA-Margen aufweisen.

Das Konzern-EBITDA für 2000/2001 hat laut Erste Bank-Schätzungen auf minus 11,5 Mill. Euro (158 Mill. S) gedreht, nach plus 6,5 Mill. Euro im Jahr davor. Libro-Chef Andre Rettberg hatte noch anlässlich der Bekanntgabe der Ergebnisse zum 3. Quartal ein positives EBITDA in Aussicht gestellt.

Das Libro-Betriebsergebnis (EBIT) wird in der Erste-Bank-Analyse mit -26,9 Mill. Euro prognostiziert, nach -7,3 Mill. Euro im vorangegangenen Geschäftsjahr. Der Umsatz stieg voraussichtlich von 342,9 auf 404,4 Mill. Euro.

Die Bewertung setze auf dem Libro-Einzelhandelsgeschäft auf, nachdem der Markt derzeit nicht bereit sei, für eine E-Commerce-Gesellschaft wie Lion.cc zu bezahlen, so Artner weiter. Von Seiten der Internet-Tochter Lion.cc drohe kein größeres Risiko mehr, weil der gesamte Geldbedarf von 35-Prozent-Partner WAZ getragen werde. Auch habe Libro für Lion keine Finanzgarantien abgegeben.

Die Erste Bank rechnet bei Libro auch für das laufende Geschäftsjahr 2001/02 noch mit einem leicht negativen Konzernergebnis. Operativ sollten jedoch bereits positive Zahlen erreicht werden. Das EBITDA wird laut Analyse auf 23,1 Mill. Euro drehen, das EBIT mit 6,5 Mill. Euro ebenfalls positiv sein. Pro Aktie sollte laut Erste Bank noch ein kleiner Verlust von 0,09 Euro anfallen.

Am Donnerstagnachmittag notierte die Libro-Aktie mit 11,40 Euro um 2,48 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortages. Bisher wurden rund 5.000 Aktien in Einzelzählung gehandelt.

22.3.2001 18:03