Hoffnungsschimmer nach dem Desaster

Von Frühling keine Spur an den großen internationalen Börseplätzen: Die vergangene Woche war eine der schwärzesten des Jahres, lediglich am Freitag konnten die Märkte das Schlimmste verhindern und nach (bis 16.30 MEZ) freundlicher Entwicklung deutliche Wochenverluste in moderate Abschläge verwandeln.
Wie lange der Stimmungsumschwung anhält oder ob es sich nur um eine vorübergehende technische Erholung handelt, ist nach Ansicht von Analysten noch offen.
Bis zum frühen Freitagabend lag der Frankfurter DAX 4,2 Prozent im Minus, der Londoner FT-SE 100 büßte 2,5 Prozent ein. An der Wall Street in New York hat der Dow Jones-Leitindex seinen Wochenverlust von zeitweise rund 7 Prozent auf minus 4,4 Prozent eingedämmt. Mit 9.389 Zählern ist der Dow von der 10.000-Punkte-Marke noch immer deutlich entfernt.
Die Zinssenkung der US-Notenbank um 50 Basispunkte am Dienstag war den meisten Anlegern offenbar zuwenig, die Märkte reagierten auf die tieferen Zinsen weltweit mit massiven Abschlägen. Der Fed-Offenmarktausschuss sieht diverse Risken für die US-Konjunktur, etwa durch sinkende Gewinne, rückläufigen Konsum und Investitionen, Überkapazitäten in der Industrie und nicht zuletzt auch sinkenden Aktienkursen, die die Konsumfreudigkeit der Amerikaner weiter einschränken.
Weiters lastet die erwartete weltweite Konjunkturabschwächung auf den Börsen: Nach den Finanz- und Technologiewerten wurden nun auch klassische Zykliker von einer "Kursgrippe" erfasst. So büßte etwa der deutsche Zykliker Thyssenkrupp vorübergehend bis zu 16 Prozent im Wochenvergleich ein. Europaweit konnten sich an den großen Märkten nur einzelne Titel aus Energie (Enel, Repsol, ENI) und Chemie/Pharma (Sanofi) gegen die allgemeine Negativtendenz behaupten.
Der unerwartet schwache Ifo-Konjunkturindex zeige, dass die europäische Konjunktur von der Wirtschaftsabkühlung in den USA nicht unberührt bleibe, meinen die Analysten der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Es scheine, als würden sich die internationalen Investoren gerade von europäischen Aktien verabschieden, so der ernüchternde Befund.
In Japan konnte sich der Nikkei-Index von seinem 16-Jahres-Tief wieder erholen. Mit einem Wochenplus von 5 Prozent konnte die japanische Börse die Marke von 13.000 Punkten aber nicht halten, sondern beendete die Woche bei 12.853,97 Zählern. In der dauerhaften Bankenkrise scheint es indes erste zarte Hoffnungspflänzchen zu geben: So wird eine höhere Vorsorge für faule Kredite bei der Sanwa Bank mancherorts als Beginn einer "echten" Bereinigung der Kreditportfolios interpretiert.

