"Amtsmüde? Ich bin voll motiviert"

Eigentümer und Gewerkschaft setzen den Telekom-Austria-Boss unter massiven Druck. Wie er den Machkampf um seinen Chefsessel gewann. Und nun seine Sanierungspläne durchdrücken will.
Kaum hat Telekom-Austria-Chef Heinz Sundt den Kampf um die Konzernführung – im Geflecht der Hauptaktionäre ÖIAG und Telecom Italia sowie der eigenen Vorstandskollegen – siegreich überstanden, greift ihn jetzt die Gewerkschaft frontal an. Sie kritisiert den Abbau von 5.000 der rund 15.000 Telekom-Mitarbeiter, den Sundt und seine Vorstandskollegen als unbedingt notwendig betrachten. Denn nur so könne die Sanierung des 50-Milliarden-Konzerns gelingen. Im NEWS-Interview nimmt der 53-jährige Chef der Telekom Austria (TA) erstmals ausführlich zu den Spekulationen über seine Ablöse und Amtsmüdigkeit Stellung und warnt die Gewerkschaft vor einem radikalen Protestkurs.
news: Die Gewerkschaft macht gegen die Telekom Austria mobil und spricht von einer unerträglichen Vorgangsweise beim Personalabbau.
Sundt: Man muss derartige Proteste ernst nehmen. Ich kann die Argumentation der Gewerkschaft aber nicht ganz nachvollziehen. Wir haben uns bemüht, den notwendigen Personalabbau so gut wie möglich sozial abzufedern. Das Unternehmen wendet ja Milliardenbeträge dafür auf. Sollten einige Dinge schief gelaufen sein, kann das in kleiner Runde geklärt werden, dazu braucht es keine Massenproteste.
news: Fürchten Sie einen Streik?
Sundt: Davon hätte niemand etwas, die Gewerkschaft wäre schlecht beraten, derartig radikal vorzugehen. Eigentlich bin ich verblüfft über die Aufregung. Die Belegschaft hat immer genau gewusst, was auf sie zukommt.
news: Es gab massive Spekulationen, dass Sie wegen einer zu langsamen Sanierung und einer Gewinnwarnung für das Jahr 2000 als Generaldirektor der Telekom Austria abgelöst werden. Die Diskussion ist verstummt – gehen Sie gestärkt daraus hervor?
Sundt: Wenn ich daraus gestärkt hervorginge, hieße das, dass andere im Telekom-Vorstand geschwächt wurden. Darum geht es aber nicht, ich empfinde mich jetzt nicht als Herkules. Ein Vorstandsteam hat eine kollektive Verantwortung. Wir sind uns einig, dass wir eine Menge an Sachthemen zu bewältigen haben, und dazu braucht es die volle Handlungsfähigkeit des Vorstandes.
news: Liegt das Unternehmen bei der Sanierung auf Kurs?
Sundt: Beim Personalabbau haben wir bisher mehr erreicht als geplant. Damit wird drastisch dokumentiert, dass der Kurs richtig ist.
news: Hat der Gesamtvorstand jetzt tatsächlich das Vertrauen der Haupteigentümer ÖIAG und Telecom Italia?
Sundt: Ja. Das ist auch erforderlich, sonst könnten wir unsere Ziele nicht umsetzen, zumal wir vielen Einflüssen, auch restpolitischen, ausgesetzt sind. Ich bestätige aber, dass es in den vergangenen Wochen Gespräche über Vorstandsfragen mit unserem Aufsichtsratschef Johannes Ditz und auf Eigentümerebene gegeben hat.
news: Wurde Ihnen gegenüber im Zuge der Spekulationen über einen Wechsel an der Spitze das Vertrauen definitiv ausgesprochen?
Sundt: Das war nicht erforderlich. Die Dinge laufen ja umgekehrt, solange es keine anders lautenden Informationen gibt, gehe ich davon aus, dass wir das Vertrauen haben. Ich kann ja nicht jeden Tag nachfragen, ob sich daran etwas geändert hat.
news: Wurden diese Gespräche wegen des rauen Klimas im Telekom-Vorstand geführt?
Sundt: Wir sollten uns darüber klar sein, dass der Vorstand mit den Erfolgen, die er hat, steht und fällt. Wenn also die von uns in Aussicht genommenen und vom Aufsichtsrat geforderten Ziele nicht erreicht werden, dann wird der Vorstand infrage gestellt werden. Das gilt für den gesamten Vorstand.
news: Wurde also das Einvernehmen im Vorstand wiederhergestellt?
Sundt: Im Vorstand sitzen vier Erwachsene, die aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft kommen und wo es auch Altersunterschiede gibt. Daher gibt es eine große Bandbreite von Wahrnehmungen und Interpretationen. Das halte ich grundsätzlich für gut, denn daraus ergeben sich auch die besten Sachlösungen. Allerdings nur dann, wenn sich die Vorstände auf die Probleme konzentrieren und sich nicht einander in die Haare geraten. Jetzt müssen wir die ganze Kraft in die Umsetzung des ambitionierten Business-Planes für das laufende Jahr stecken.
news: Es gibt Spekulationen, Sie seien amtsmüde?
Sundt: Dass man angesichts des Komplexitätgrades in der Telekom gelegentlich müde wird, ist nicht zu verheimlichen. Von Amtsmüdigkeit kann aber keine Rede sein. Ich bin nach wie vor voll motiviert.

