Yen sackte auf ein 22-Monats-Tief

Die japanische Zentralbank pumpt aus Sorge um die stagnierende Konjunktur noch mehr Geld in die Wirtschaft. Statt direkt zur "Nullzins-Politik" zurückzukehren, erhöht sie die Liquidität am Markt und lässt die Zinsen auf diese Weise gegen Null tendieren.
Zu diesem Zweck wird der Bestand an Zentralbankreserven der Geschäftsbanken von 4 auf 5 Bill. Yen (45,5 Mrd. Euro/626 Mrd. S) erhöht, wie die Bank von Japan am Montag mitteilte. Die Zentralbank will so gegen den andauernden Preisverfall und eine weitere Verschlechterung der Wirtschaft ansteuern. Die Lage erfordere anders als unter normalen Umständen drastische Maßnahmen, hieß es.
Scwacher Yen soll Export helfen
Es wird nun erwartet, dass auch die US-Zentralbank am Dienstag die Zinsen senken wird. An der Tokioter Aktienbörse schloss der Nikkei-Index um 0,3 Prozent schwächer mit 12.190,97 Prozent, da die Investoren nervös auf die Zentralbankentscheidungen warteten. Der Yen sackte am Montag auf ein 22-Monats-Tief von 123,46 Yen zum US-Dollar. Am selben Tag wollten Japans Premier Yoshiro Mori und US-Präsident George Bush über die aktuelle Wirtschaftskrise in Japan beraten. Am Devisenmarkt wurde spekuliert, dass sich beide auf einen schwachen Yen verständigen könnten, um so dem japanischen Export zu helfen.
Drastische Lockerung der Geldpolitik
Nachdem die Zentralbank inzwischen im Februar den maßgeblichen Tagesgeldsatz auf 0,15 Prozent und den eher symbolischen Diskontsatz gleich zwei Mal kurz hintereinander auf zuletzt 0,25 Prozent gesenkt hatte, stand sie nun unter Druck, zu einer noch drastischeren Lockerung der Geldpolitik überzugehen. Finanzminister Kiichi Miyazawa und andere Minister begrüßten die Entscheidung der Bank von Japan. Diese hatte ferner entschieden, die Summe der von ihr gekauften Staatsanleihen von monatlich 400 Mrd. Yen erhöhen, sollte dies notwendig sein. Die Zinsen sollen solange nahe Null verharren, bis sich die Verbraucherpreise oberhalb von Null Prozent stabilisieren.
Nun ist die Regierung gefordert
Damit habe die Zentralbank nun genug getan, wurde Gouverneur Hayami zitiert. Jetzt ist nach Ansicht von Experten die Regierung am Zuge, endlich energisch die dringend notwendigen Wirtschaftsreformen anzupacken. "Strukturreformen sind genauso wichtig wie eine geldpolitische Lockerung", sagte John Llewellyn von Lehman Brothers der Agentur Bloomberg. Sollten beide Aufgaben nicht gleichzeitig und zügig angegangen werden, könnte der Markt dies erzwingen: "Zum Beispiel durch einen größeren Bankenkollaps", warnte der Ökonom.
Nikkei auf tiefsten Kurs seit 16 Jahren
Die jüngsten Kursstürze an den Börsen hatten die noch immer unter riesigen Bergen fauler Kredite ächzenden Banken unter weiteren Druck gesetzt. Vergangene Woche war der Nikkei auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren gefallen. Die Bankenkrise ist nach Ansicht von Experten denn auch Japans eigentliches Problem, nicht die Geldpolitik. Am Dienstag bleibt Tokios Börse wegen eines Feiertages geschlossen.

