Dienstag, 20. März 2001

Jetztige VP-Politikerin hielt Weltrekord im Fünfkampf

Neun Monate nach ihrem Ehemann Gunnar feiert auch Liese Prokop einen runden Geburtstag. Die 1941 in Wien geborene frühere Weltklasse-Leichtathletin und Mutter dreier Kinder wird am 27. März ebenfalls 60 Jahre.

"Es sind mehrere Feiern im größeren Rahmen und natürlich auch eine kleinere im familiären Kreis geplant", verrät Gunnar Prokop über die Vorbereitungen zum Jubiläum seiner Frau.

Ebenso wie Gunnar, dem jetzigen Handball-Zampano des achtfachen Frauen-Meistercup-Gewinners Hypo Niederösterreich, war und ist auch das Leben von Liese ganz eng mit dem österreichischen Spitzensport verbunden. Die VP-Politikerin, die ihre zweite Karriere im November 1969 als Landtags-Abgeordnete begonnen hat, ist seit Oktober 1992 nicht nur Niederösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreterin, sondern auch Landesrätin für Sport. Ende 1999 wurde sie Union-Präsidentin und seit kurzem gehört sie dem Vorstand des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) an.

Olympia-Silber 1968
Der Sport, speziell die Leichtathletik, begleitete Liese schon von frühester Jugend an. Gemeinsam mit Hochspringerin Ilona Gusenbauer, Speerwerferin Eva Janko sowie ihrer Schwester und Mittelstrecklerin Maria Sykora verhalf Prokop der österreichische Frauen-Leichtathletik zu internationalem Ansehen und Ruhm. Mit Gunnar als Trainer schrieb sie ein eigenes Kapitel glorreicher LA-Geschichte, ihr Metier war vor mittlerweile über 30 Jahren der damalige Fünfkampf. "Olympia-Silber 1968 in Mexiko Stadt mit der ÖLV-Bestmarke von 4.966 Punkten war mein schönstes Erlebnis, aber sportlich am wertvollsten war sicher mein Weltrekord ein Jahr später in der Südstadt", erinnert sie sich an ihre Großtaten.

Fünfkampf-Europameisterin 1969
Ihre am 4. und 5. Oktober 1969 gesammelten 5.352 Punkte waren eine Sensation erstes Ranges, hatte die NÖ-Energie-Athletin doch die Supermarke der "männlichen" Irina Press aus der Sowjetunion übertroffen. Höhepunkte gab es natürlich auch vor und nach diesen zwei absoluten Sternstunden. 1967 avancierte Prokop in Tokio zur Studenten-Weltmeisterin, im August 1969 trug sie sich in Leoben als Fünfkämpferin erstmals ins Weltrekordbuch (5.089 Zähler) ein und noch im selben Jahr wurde sie in Athen Fünfkampf-Europameisterin. Olympia 1972 in München war für Prokop wegen einer Verletzung kein Thema. Eine Blessur beim Aufwärmen für den Hochsprung hatte Prokop übrigens auch bei Olympia 1964 in Tokio gestoppt.

Österreichische Rekorde mit langem Ablaufdatum
In den heimischen Rekordlisten blieb der Name Liese Prokop noch lange nach dem Karriere-Ende verewigt. Die 50-fache ÖLV-Meisterin, die ihrer damaligen Zeit und Konkurrenz voraus war, wurde im Kugelstoßen mit 16,04 m (Juli 1975) erst im Juni 1999 von Walentina Fedjuschina (19,21) abgelöst und im Weitsprung hielten ihre 6,48 m vom September 1969 immerhin auch bis Juni 1998 (6,50 m von Oilvia Wöckinger). Ihr Mehrkampfmarke wäre wohl auch lange außer Reichweite gewesen, vergleicht man ihre Einzelleistungen mit jenen der Nachfolgerinnen, die inzwischen allerdings nur mehr im Siebenakmpf starten.

20.3.2001 09:59