Sonntag, 25. März 2001

25. Jahrestag des Militärputsches in Argentinien

Auch 25 Jahre nach dem Militärputsch in Argentinien kämpfen die Mütter der Opfer noch immer um Gerechtigkeit. Jede Woche treffen sie sich auf der Plaza de Mayo von Buenos Aires, wie sie es seit 1977 an jedem Donnerstag getan haben. Am Samstag erinnerten sie zusammen mit anderen Gegnern der ehemaligen Junta mit einem Demonstrationszug an den 24. März 1976.

Damals stürzte General Jorge Videla Präsidentin Isabel Peron und ging während des "schmutzigen Kriegs" gegen linksgerichtete Dissidenten vor.

Rund 1.000 Demonstranten beteiligten sich an dem Gedenkmarsch rund um die Plaza de Mayo. "Der einzige Kampf, den du verlierst ist der, den du aufgibst", hieß es auf einem Transparent.

Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 bis zu 30.000 Menschen getötet wurden. In einem Regierungsbericht ist von 9.000 Opfern die Rede. Zum 25. Jahrestag des Staatsstreichs sind in Argentinien zahlreiche Bücher, Filme und Zeitungsartikel über das düstere Kapital der Geschichte des Landes erschienen. Viele Bürger sind der Ansicht, die Zeit der Militärdiktatur liege lange hinter ihnen, doch die Mütter der Plaza de Mayo erklärten, ihr Kampf sei noch nicht vorüber.

"Wir kämpfen für das Leben"
Das sind die Worte von Elisa Landin, deren Söhne im Alter von 21 und 25 Jahren 1977 wegen ihres politischen Engagements getötet wurden. Die 75-Jährige muss manchmal während des wöchentlichen Protestmarsches auf einer Parkbank Platz nehmen, aber sie will weitermachen, bis der letzte Verantwortliche für den Tod ihrer Kinder bezahlt hat. Oder bis zu ihrem Tod.

Nach der Wiederherstellung der Demokratie erhielten die Führer der Militärjunta lebenlange Haftstrafen, wurden aber 1990 von dem damaligen Präsidenten Carlos Menem begnadigt. Soldaten niederen Rangs, die auf Anweisung ihrer Vorgesetzten Verbrechen verübten, wurde Immunität gewährt. Doch ein Urteil eines Bundesrichters gibt den Müttern Hoffnung: Richter Gabriel Cavallo entschied am 6. März, dass zwei der Immunitätsgesetze gegen die Verfassung verstoßen. Nach dieser Entscheidung könnten hunderte Mitglieder der Streitkräfte für ihre Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen vor Gericht gestellt werden.

25.3.2001 13:43