Samstag, 24. März 2001

Proteste gegen Tribunal in Den Haag

Im Verlauf des Nachmittags nahm der Zustrom zur Demonstration von Milosevic-Anhängern in Belgrad zu: Nach unterschiedlichen Quellen nahmen zwischen 8.000 und 10.000 Menschen daran teil.

"NATO-Mörder", "Serbien, Serbien" und "Wir geben niemanden her", riefen die Versammelten in Anspielung auf die geforderte Auslieferung von Milosevic und anderer mutmaßlicher Kriegsverbrecher an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Zu der Kundgebung hatte die Sozialistische Partei (SPS) des gestürzten Präsidenten Slobodan Milosevic aufgerufen. "Wir sind hier, damit Serbien nicht den 24. März und 78 Tage NATO-Angriffe vergisst", sagte das SPS-Führungsmitglied Ivica Dacic. Die Kundgebung auf dem zentralen Platz der Republik, an der die Spitze der oppositionellen Milosevic-Sozialisten teilnahm, verlief friedlich. Zahlreiche Milosevic-Fans zogen anschließend zum Belgrader Nobel-Viertel Dedinje, wo ihr Idol noch immer in der offiziellen Präsidentenresidenz wohnt.

Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica nahm am Samstag an einem Gedenkgottesdienst für die Opfer der Angriffe teil, der vom Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Pavle, gehalten wurden. Die NATO hatte Jugoslawien bis zum Rückzug der jugoslawischen Truppen aus dem Kosovo am 10. Juni 1999 bombardiert. Das Kosovo wurde danach unter UN-Verwaltung gestellt, die militärische Kontrolle übernahm die Friedenstruppe KFOR. Der Jahrestag der "NATO-Aggression" ist offizieller Gedenktag in Jugoslawien. Die NATO hatte wegen Gräueltaten serbischer Sicherheitskräfte und Milizen an der albanischen Bevölkerung des Kosovo Ziele in Serbien bombardiert und damit die jugoslawische Armee zum Rückzug aus dem Kosovo gezwungen.

Bereits am Freitag hatte Kostunica die Bürger aufgerufen, alle Opfer und "die Schrecken der NATO-Angriffe" in Erinnerung zu behalten. "Das Übel, das uns angetan wurde und das wir anderen angetan haben, wird sich nicht wiederholen, wenn wir es in unserer Erinnerung bewahren", hieß es in einer Botschaft an seine Landsleute. NATO-Bomben und -raketen hätten zwischen dem 24. März und 10. Juni 1999 etwa 1500 Zivilisten getötet, sagte der Präsident Kostunica in einer Botschaft an die Nation. Opfer der NATO seien nicht nur serbische, sondern auch albanische Zivilisten im Kosovo gewesen.

24.3.2001 18:41