Wien-Wahl: Alles oder nichts

Haider hat der FP-Spitzenkandidatin Helene Partik-Pablé für Plakate nicht nur sein Konterfei geborgt. Er hat sich auch mit ganzem Elan in die Schlacht geworfen. Die Werbelinie ist simpel, aber deutlich: Wenn man Pablé wählt, wählt man Haider. Ein geschicktes Konzept - aber nicht ohne Risiko.
Verliert die FPÖ, verliert Jörg Haider. Liegt die FPÖ trotz seines Wahleinsatzes unter 20 Prozent (Haiders offizielle Schmerzgrenze), wäre er endgültig nicht mehr der unumstrittene „Star“ der FPÖ. Dann würde sein Einfluss in FPÖ und Koalition stark abnehmen. Und er wäre dann nicht nur im Ausland wegen seines Wahlkampfes unwiderruflich angepatzt, ihm würden im Inland auch die von ihm so heiß ersehnten bürgerlichen Salons wieder verschlossen bleiben.
Die Blaues-Auge-Strategie
Kommt die FPÖ auf rund 25 Prozent, würde sich Haider trotz minus vier Prozentpunkten gegenüber 1996 als Wahlsieger feiern lassen, da die FPÖ in sämtlichen Wahlumfragen im Jänner bei unter 20 Prozent gelegen ist. Die Folgen für die Koalition wären gering. Haider würde sich weiterhin von Kärnten aus regelmäßig in die Regierungsgeschäfte einmischen, ohne allerdings eine Kurskorrektur verlangen zu können.
Das Triumph-Szenario
Schafft die FPÖ allerdings die 28 Prozent (Haiders offizielles Wahlziel), die sie bei den letzten Wiener Landtagswahlen 1996 erreichte, wäre Jörg Haider wohl stärker denn je und dann auch endgültig Österreichs Schattenkanzler. Sein internationaler Ruf wäre zwar ruiniert, doch daheim könnte er trotzdem ungenierter regieren denn je. Die blaue Basis würde ihn endgültig als „blauen Messias“ feiern.
Blauer Optimismus
FP-Verteidigungsminister Herbert Scheibner zeigt sich im NEWS-Gespräch optimistisch: „In Wien wird die Stimmung für uns von Tag zu Tag besser.“ Den Vorwurf, Jörg Haider spiele mit antisemitischen Ressentiments, weist er ebenso energisch von sich wie Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Und doch fällt auf, dass die FP-Chefin kein einziges Mal gemeinsam mit Jörg Haider in Wien wahlgekämpft hat. Riess-Passer ist lieber auf Betriebsbesuche gegangen und hat dort versucht, für die FPÖ Stimmung zu machen. Haiders „Waschmittelwerbung“ wurde ihr freilich auch dort vorgehalten. Für Haider dennoch kein Grund zum Einlenken.
Lesen Sie mehr im aktuellen NEWS über Haiders Taktiken, seine "Ariel"-Schmutzkübel-Kampagne und seine Optionen.
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