Mittwoch, 21. März 2001

Was das Ergebnis für die Bundespolitik bedeutet

In wenigen Tagen wird die Wien-Wahl entschieden sein. Wer wird verlieren? Wer wird regieren? Doch eines ist klar: Es kann nicht nur Sieger geben.

Rot-Grün in Wien hilft Alfred Gusenbauer im Bund
Ein deutlicher Sieg der SPÖ bei der Wien-Wahl würde auch Alfred Gusenbauers Bundes-SPÖ Rückenwind geben. Kommt Rot-Grün, eröffnet ihm das die strategische Option für die nächste Nationalratswahl – ein entsprechendes Ergebnis vorausgesetzt. Wird Michael Häupl gestärkt, wird er sich mehr in die Bundespolitik der Sozialdemokraten einmischen – zur Freude des Bundesparteivorsitzenden?

Ist Haider zufrieden, lässt er die Koalition in Ruh
Jörg Haider hat sich die Latte besonders tief gelegt: Seine Schmerzgrenze liege bei 20 Prozent. In Wahrheit ist angesichts seines massiven Wahlkampfeinsatzes jeder Verlust sein persönlicher. Der Politologe Fritz Plasser meint: „Bei einem Minus von drei bis vier Prozent wird Jörg Haider die Koalition nicht platzen lassen. Bei acht bis zehn Prozent gäbe es stärkeren Druck auf Schüssel und die ÖVP.“

Kanzler Schüssel muss nur einen FP-Flop fürchten
Kanzler Wolfgang Schüssel ist im Wiener Wahlkampf wenig präsent. Seine Landes-ÖVP empfindet Sparpaket und Chaos um die Ambulanzgebühren zwar nicht gerade als Rückenwind, sie darf dennoch auf leichte Zugewinne hoffen. Eine Schlappe Görgs würde die Bundes-ÖVP kaum ins Trudeln bringen. Mehr muss sie sich um den Koalitionspartner FPÖ sorgen. Verliert der stark, gibt’s Brösel im Bund.

Regieren oder doch nicht regieren, das ist die Frage
Für die Grünen ist ab dem 26. März vor allem eines interessant: Können sie in einer rot-grünen Koalition in Wien beweisen, dass sie regierungsfähig sind? Dann steht einem solchen Projekt auch im Bund nur noch das Wahlergebnis entgegen. Rückenwind erwarten die Grünen allerdings auch, wenn es mit dem Regieren diesmal nicht klappt. Allerdings wäre das Verhältnis zu den Sozialdemokraten belastet.

Sein oder Nichtsein, das ist die Frage für das LiF
Für das Liberale Forum geht es acht Jahre nach seiner Gründung ums nackte Überleben. Fliegen die Liberalen aus dem Gemeinderat, wird es auch für die Bundespartei eng. Heide Schmidt: „Es wird auf jede Stimme ankommen.“ Meinungsforscher Günther Ogris hält es zwar für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen, dass der Wiedereinzug gelingt. Ein Neustart wird in jedem Fall nötig sein.

21.3.2001 19:52