Montag, 19. März 2001

Frankreich Erdrutschsieg der Linken in Paris    

Linke und Grüne haben in einem Erdrutschsieg über das rechtsbürgerliche Lager das Rathaus der französischen Hauptstadt Paris erobert. In der zweiten Runde der Kommunalwahlen konnte das rot-grüne Bündnis 89 der 163 Stadtratssitze auf sich vereinen, wie die Stadtverwaltung in der Nacht auf Montag mitteilte.

Nach 24 Jahren neogaullistischer Herrschaft wird mit Bertrand Delanoe (50) erstmals ein Sozialist Bürgermeister des französischen Machtzentrums.

Der Pariser Stadtrat wählt den neuen Nachfolger am kommenden Sonntag. Bisher hatte das linke Lager im Pariser Stadtrat nur 63 Abgeordnete. Auch Lyon fiel in der Stichwahl der Kommunalwahlen an die Linke. Die Sozialistische Partei von Premierminister Lionel Jospin musste ansonsten wie bereits im ersten Wahlgang am vorangegangenen Sonntag schmerzliche Einbußen hinnehmen. Arbeitsministerin Elisabeth Guigou wurde in Avignon geschlagen, Erziehungsminister Jack Lang in Blois und der beigeordnete Europaminister Pierre Moscovici in Montbeliard.

Die Kommunalwahlen waren ein Testlauf für die in der ersten Jahreshälfte 2002 anstehenden Parlaments-und Präsidentschaftswahlen. Dabei dürfte der sozialistische Premierminister Lionel Jospin dem Neogaullisten Jacques Chirac das Präsidentenamt streitig machen.

Am Pariser Rathaus, dem Hotel de Ville rechts der Seine, feierten Linke und Grüne in der Nacht den historischen Sieg über die Rechte, die tief zerstritten und von Affären geprägt ist. Die sozialistische Kulturministerin Catherine Tasca fühlte sich sogar an das Jahr 1981 erinnert, als Francois Mitterrand zum Präsidenten gewählt worden war.

Vor allem das gute Abschneiden der Grünen hatte den Sieg des linken Lagers möglich gemacht. Die Rechtsbürgerlichen hätten “den Preis für Personal-Querelen bezahlt”, erläuterte die Parteichefin der unterlegenen neogaullistischen RPR-Partei, Michele Alliot-Marie.

19.3.2001 08:05