Sonntag, 18. März 2001

Frank Bsirske Vorsitzender über 3 Millionen Mitglieder

Die größte Gewerkschaft der Welt entsteht nächste Woche in Deutschland. Sie wird fast 3 Millionen Mitglieder umfassen und betreut in 13 Fachbereichen etwa 1000 Berufsgruppen. Die Gewerkschaft wird "ver.di" heißen, eine Abkürzung für Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft.

Die Gründung der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Deutschland ist beschlossene Sache. In Berlin stimmten nach der ÖTV die vier weiteren Gründungsorganisationen für die Selbstauflösung und den Zusammenschluss zu ver.di. Auf dem Gründungskongress ab Montag wird damit die größte Gewerkschaft der Welt mit rund 2,9 Millionen Mitgliedern entstehen. Sie wird in 13 Fachbereichen rund tausend Berufsgruppen betreuen.

Machtfaktor Gewerkschaft
Ver.di wird nach Ansicht des designierten Vorsitzenden und ÖTV-Chefs, Frank Bsirske (i.B.), zu einem "politischen Machtfaktor". Die Zustimmungsquoten der vier weiteren Gründungsorganisationen seien "tolle Ergebnisse, die ver.di einen kräftigen Rückenwind geben", sagte Bsirske. Der Vorsitzende der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG), Roland Issen, sagte, nun werde sich der der gewerkschaftliche Einfluss auf Politik und Wirtschaft "maßgeblich verstärken".

Große Mehrheit für Zusammenschluss
Für den Zusammenschluss stimmte die DAG mit 89,3 Prozent, die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) mit 84,4 Prozent, die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) mit 91,4 Prozent, sowie die IG Medien mit 80 Prozent, bei einem Quorum von 75 Prozent. Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) entschied sich bereits am Freitag mit 87,1 Prozent für ver.di.

Wahl des Vorsitzenden
Auf dem Gründungskongress werden die 1.000 Delegierten dann am Dienstag den 19-köpfigen Hauptvorstand wählen. Die Wahl Bsirskes zum Vorsitzenden gilt als sicher. Die jetzige HBV-Chefin Margret Mönig-Raane ist als Stellvertreterin vorgeschlagen. Die weiteren Vorsitzenden der Gründungsorganisationen, Roland Issen (DAG), Detlev Hensche (IG Medien) und Kurt van Haaren (DPG) werden aus Altersgründen keine Ämter in ver.di übernehmen.

Schröder-Rede
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird am Mittwoch den Kongress besuchen und vor den Delegierten eine Rede halten. Mit Bsirske wird er einen weniger gemäßigten Gewerkschaftsvorsitzenden haben als mit dem früheren ÖTV-Chef Herbert Mai. Mit Blick auf die Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst im kommenden Jahr kündigte Bsirske bereits "Nachholbedarf" an.

Aufgaben und Ziele
Die Aufgaben von ver.di sollen nach dem Willen der Gründungsgewerkschaften weit mehr als nur Arbeitnehmerrechte zum Ziel haben. Ver.di werde sich auch "mit aller Entschiedenheit" daran beteiligen, "richtige Anworten" auf die Fragen der Globalisierung und Internationalisierung von Produktion und Dienstleistungen zu finden, betonte Issen. Als größte Einzelgewerkschaft der Welt wolle ver.di auch "kraftvoll" auf die europäische Politik und Gewerkschaftsarbeit einwirken. Zudem werde sich die neue Gewerkschaft für eine europäische Umweltpolitik "mit dem klaren Ziel ökologischer Mindeststandards in allen Ländern der Europäischen Union" einsetzen.

18.3.2001 10:54