Sonntag, 18. März 2001

Billa-Chef Veit Schalle macht Ernst

Der erfolgsgewohnte Billa-Boß Schalle will mit einem Volksbegehren für längere Öffnungszeiten Ernst machen. Veit Schalle, Billa-General, will Unterschriften sammeln, um der Regierung Beine zu machen.

FORMAT: Herr Schalle, Sie drohen mit einem
„Ladenöffnungs-Volksbegehren“. Wollen Sie nur etwas politischen Druck machen, oder ist es Ihnen wirklich ernst damit?
Schalle: Ich meine das ganz ernst. Die Regierungsparteien haben in ihrem Abkommen eine Ausweitung der Wochenöffnungszeit auf 72 Stunden vereinbart. Bis jetzt ist aber leider nichts passiert, und so geht es nicht. Wenn sich in den nächsten Wochen weiterhin nichts bewegt, mache ich ganz sicher das Volksbegehren.

FORMAT: Was genau wollen Sie mit einer solchen Aktion erreichen?
Schalle: Wir wollen in der Früh und am Abend jeweils eine halbe Stunde mehr, also von 7.30 bis 19.30 Uhr, offen sein. Da schimpfen uns die Kunden, weil wir noch beziehungsweise schon zuhaben. Aber mit der derzeitigen Regelung, die uns nur 66 Wochenstunden zugesteht, geht sich das nicht aus.

FORMAT: Die Billa-Mitarbeiter werden damit höchstwahrscheinlich wenig Freude haben. Ist Ihnen das egal?
Schalle: Für das Personal wird es keinerlei Verschlechterung geben. Die Arbeitszeit bleibt mit 40 Stunden selbstverständlich gleich. Wir müssen halt mehr Leute aufnehmen. Das bringt Arbeitsplätze.

FORMAT: Glauben Sie wirklich, die Bevölkerung mobilisieren zu können? Die Umfragen zeigen nicht allzuviel Begeisterung für liberalisierte Öffnungszeiten.
Schalle: Ein solches Volksbegehren werden viel mehr Leute unterschreiben, als sich die Herren in der Gewerkschaft und der Kammer träumen lassen würden.

FORMAT: Die Kammer läßt anklingen, daß sie Kampfmaßnahmen wie Ihr Volksbegehren nicht mittragen wird.
Schalle: Das wundert mich gar nicht. Auslaufmodelle wie die Kammer glauben immer, nur durch Gesetze ihre Existenz retten zu können.

FORMAT: Die Gewerkschaft meint, daß neunzig Prozent der Konsumenten die aktuellen Öffnungszeiten völlig ausreichend finden.
Schalle: Das hat sie auch vor ein paar Jahren behauptet, als es um den Samstagnachmittag ging. Wenn Sie da heute am Samstag um 16 Uhr in einen Billa reinschauen, glauben Sie, eine Hungersnot ist ausgebrochen, so voll ist es.

FORMAT: Ihr großer Konkurrent Spar kämpft mit recht wenig Animo um längere Ladenöffnungszeiten. Auch Zielpunkt will nicht unbedingt länger aufsperren. Die sind da zurückhaltender.
Schalle: Bei der Spar herrscht leider in vielen Dingen sehr große Scheinheiligkeit. Alles, was sie tun, sichert die Nahversorgung. Alles, was wir wollen, zerstört die Nahversorgung. Die Spar macht eine gescheite Politik: In der Kammer stimmt sie alles nieder und richtet sich’s danach durch ihre guten Beziehungen.

FORMAT: Sind Sie verärgert, weil die Spar jetzt verlautbarte, daß sie inklusive Auslandsumsatz mit 72 Milliarden Schilling den Billa-Konzern mit 70 Milliarden überholt hat?
Schalle: Nein, weil die Zahlen nicht stimmen. Wir haben 2000 nicht 70 Milliarden, sondern 73 Milliarden Schilling umgesetzt. Damit sind wir also noch immer vorn. Und den Vorsprung bauen wir jetzt noch deutlich aus. Heuer kommen wir schon auf über 90 Milliarden Schilling.

18.3.2001 08:42