Vor Totalliberalisierung des Strommarktes

Ein halbes Jahr vor der Totalliberalisierung geht es am Energiemarkt drunter und drüber: Für die Energiekonzerne wird es ab Oktober Milliardeneinbußen geben - die Privaten profitieren. Die Stromliberalisierung sollte auch Haushalten ein paar Tausender bringen.
Rund 2.000 Schilling sollte sich ein Haushalt mit durchschnittlichem Stromverbrauch ab nächstem Jahr sparen. Nach der totalen Liberalisierung ab 1. Oktober 2001 rechnen Experten mit bis zu 50 Groschen Verbilligung pro Kilowattstunde, die derzeit zwischen zwei und 2,50 Schilling (inkl. Steuern und Abgaben) kostet.
Ausländische Stromkonzerne wie E.ON und RWE aus Deutschland oder Enel aus Italien werden für Wettbewerb am heimischen Markt sorgen, dazu einige reine Strombroker. Aber auch Handelsketten werden ihre Vertriebsnetze fürs Stromgeschäft nutzen. Elektrohändler Robert Hartlauer: "Ich bin schon in den Endverhandlungen und vom ersten Tag an dabei." Spar-Vorstand Erich Morianz kündigt ebenfalls an, einzusteigen. Und auch Billa hat ein gutgehütetes Stromkonzept in der Schublade.
Auch Hansjörg Tengg will mitmischen
Ex-Energiemanager und Konsum-Verweser Hansjörg Tengg hofft, daß die Firma APCS, an der er mit zwanzig Prozent beteiligt ist, demnächst von der Regierung die Konzession als Clearingstelle erhält; diese wickelt die Verrechnung zwischen allen Stromlieferanten und Netzbetreibern ab: "Der Konsument merkt davon nichts. Er kann jederzeit den Anbieter wechseln. Er kriegt nur zwei Rechnungen: eine für den Strom, eine vom Leitungsbesitzer."
Hohe Netzgebühr verteuert Strom
Größte Hürde für den Wettbewerb ist der teilweise absurd hohe Anteil der Netzgebühr am Gesamtpreis. Manche Versorger subventionieren damit den Stromtarif quer, um Konkurrenten auszuschalten. Der neue Stromregulator Walter Boltz hat allerdings angekündigt, bis zum Oktober die Nutzungsgebühren für die Netze deutlich
"hinunterzuregulieren".
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