OPEC drosselt Ölförderung um vier Prozent

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat sich auf eine Drosselung der Ölfördermenge um vier Prozent geeinigt. Die Entscheidung fiel nach zweitägigen Verhandlungen in Wien.
Mit der Senkung um täglich eine Million Barrel (das Fass zu 159 Liter) ab 1. April will die OPEC den Ölpreis angesichts der am Winterende in Europa saisonal schwacheren Nachfrage und einer weltweiten Abschwächung des Wirtschaftswachstums stabilisieren. Die OPEC fördert nach den neuen Quoten täglich 24,2 Millionen Barrel. Sie bestreitet damit rund ein Drittel der weltweiten Ölförderung.
OPEC-Präsident Chakib Khelil sagte, bei dem Beschluss habe die Organisation auch die Situation der Verbraucherländer berücksichtigt. Khelil, der Energieminister Algeriens, betonte, die hohen Kraftstoffpreise in Europa seien auf die dortige Steuerpolitik zurückzuführen. Eine Verlangsamung der weltweiten Konjunktur mache für die OPEC die Gestaltung ihrer Fördermengenpolitik schwieriger. Khelil kündigte ferner an, das Ölkartell könnte bereits vor dem nächsten außerordentlichen Treffen (26. September) Anfang Juni (5. und 6. Juni) wieder in Wien zusammentreten, sollte sich die Weltwirtschaft spürbar verschlechtern.
Seine Organisation wolle mit dieser Maßnahme den Fass-Preis dauerhaft auf 25 Dollar stabilisieren, sagte OPEC-Generalsekretär Ali Rodriguez-Araque am Ende der Konferenz. "Das ist ein vernünftiger Preis auch für die Verbraucher", sagte er weiter. Auch die wichtigen Ölförderländer Russland, Mexiko, Kasachstan, Angola und Oman, die nicht der OPEC angehören, aber in Wien als Beobachter am Tisch saßen, wollten mit eigenen Kürzungen den OPEC-Beschluss unterstützen.
OPEC-Präsident Khelil wies die Kritik der Industriestaaten an den aus ihrer Sicht zu hohen Ölpreisen zurück. Rund 80 Prozent des Endpreises machten Steuern aus. "An jedem Dollar, den die OPEC einnimmt, verdienen die Industriestaaten vier Mal mehr". "Bevor sie mit dem Finger auf uns zeigen, sollen sie lieber die Steuern reduzieren." Der heutige Barrel-Preis liege schließlich noch um 40 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre.
Schon im Februar hatte die OPEC ihre Förderung um 1,5 Millionen Barrel am Tag zurückgeschraubt. Die Fördermengen und die Ölpreise hatten zuvor eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Nachdem sich die OPEC im März 1999 zu einer nachhaltigen Produktionskürzung von 1,7 Millionen Barrel durchgerungen hatte, kletterte der Fass-Preis nahe an die 40 Dollar-Marke. Davor hatte der Barrelpreis zeitweise unter zehn Dollar gelegen. Im vergangenen Jahr hatte das Kartell auch auf Druck der großen Industrieländer in mehreren Schritten den Ölhahn um 3,7 Millionen Barrel wieder geöffnet.
Die OPEC-Staaten fördern fast 40 Prozent des Öls auf der Welt. Eine Entscheidung über Erhöhung oder Senkung der Fördermengen hat daher direkten Einfluss auf den Ölpreis. Experten rechneten jedoch nicht mit großen Preisschwankungen. Mehdi Varzi von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson sagte in London, die Drosselung um eine Millionen Barrel sei bereits erwartet und daher vom Markt berücksichtigt worden. Varzi rechnete eher mit einem weiteren Absinken der Preise in den kommenden ein bis zwei Jahren.

