Donnerstag, 15. März 2001

Spekulation über Bundesbank-Nachfrage hilft Euro

Der Euro hat sich am Donnerstag auf Grund von Spekulationen über kommerzielle Nachfrage der Deutschen Bundesbank um mehr als einen halben Cent von seinem zuvor markierten Dreiwochentief bei 0,9042 Dollar erholt. Die Währung stabilisierte sich danach bei Kursen deutlich oberhalb von 0,91 Dollar.

Zu den Spekulationen wollte die Bundesbank keinen Kommentar abgeben. Die Währung hatte zuvor deutlich an Boden eingebüßt, was Händler mit Euro-Verkäufen gegen amerikanische Staatsanleihen sowie der anhaltenden Rückführung von Kapital durch japanische Investoren begründeten.

Händlern zufolge sorgten zudem Äußerungen des japanischen Finanzministers Kiichi Miyazawa, der eine Ausweitung der der Euro-Bestände in den japanischen Devisenreserven verneinte, für Druck auf die Währung. Der Yen habe sich bedingt durch eine Erholung des Tokioter Aktienmarktes etwas von seinen Tiefs gelöst. Gegen 10.40 Uhr MEZ kostete der Euro 0,9118/23 nach einer letzten Notiz am Vorabend in New York von 0,9110/14 Dollar. Zum Yen notierte die Währung mit 110,25/30 Yen. Die US-Währung wurde mit 120,95/00 (121,03/11) Yen gehandelt.

US-Staatsanleihen stellen für viele Anleger nach wie vor den sichersten aller sicheren Anlagehäfen dar, begründeten Händler den Umstieg zahlreicher Investoren aus dem Euro. Dazu habe vor allem die Enttäuschung der Investoren darüber beigetragen, dass der Euro den wichtigen Widerstände bei 0,9380 Dollar und 103 Yen Anfang der Woche nicht überwunden habe. Zudem belasteten Sorgen hinsichtlich der anhaltenden Kursverluste an den europäischen Aktienmärkten und Befürchtungen, die Konjunktur in der Euro-Zone werde durch die weltweite Wachstumsverlangsamung stärker in Mitleidenschaft gezogen, als offiziell zugestanden werde, den Kurs der Währung.

Der Rat der EZB ist am Donnerstagvormittag in Frankfurt zu einem turnusmäßigen Treffen in Frankfurt zusammengekommen. Nach einhelliger Einschätzung von Analysten wird die EZB die Leitzinsen in der Euro-Zone unverändert lassen. Kommentare einiger EZB-Ratsmitglieder und zuletzt wieder steigende Verbraucherpreise in der Euro-Zone deuteten darauf hin, dass die EZB ihre abwartende Haltung in der Zinspolitik zunächst beibehalten und frühestens ab April die Zinsen senken werde, sagten die Experten.

Eine Erholung des japanischen Aktienmarktes hat Händlern zufolge dem Yen eine Verschnaufpause beschert. Das Tokioter Börsenbarometer Nikkei Index legte 2,61 Prozent auf 12.152,83 Punkte zu. Dies bedeute jedoch nicht, dass der Druck, der wegen der anhaltenden politischen und wirtschaftliche Unsicherheit auf der Währung laste, nun gewichen sei, sagten Händler. Die Probleme seien noch lange nicht gelöst, auch wenn die Bank von Japan am Montag bei ihrem Zinstreffen eine Rückkehr zur Null-Zinspolitik beschließen sollte. Sie verwiesen dazu auf die internationale Ratingagentur Fitch, die am Vortag 19 japanische Banken mit negativem Vorzeichen auf ihre Beobachtungsliste gesetzt hatte. Dies habe Befürchtungen hinsichtlich der Gesundheit des gesamten japanischen Bankensystems ausgelöst.

15.3.2001 12:09