Mittwoch, 14. März 2001

Wer kauft 41 Prozent der Austria Tabak?

Der Kampf um die letzten Staatsanteile am heimischen Tabakmulti geht ins Finale. Die Favoriten stehen jetzt schon fest.

Das Liebeswerben der internationalen Zigarettenmultis um den Austria-Tabak-Konzern nähert sich dem Höhepunkt. Wer den Zuschlag für den zum Verkauf stehenden 41-Prozent-Anteil der Staatsholding ÖIAG an der AT erhält, wird sich bereits in den nächsten Wochen zeigen. Schon jetzt ist aber klar, wer zum engeren Favoritenkreis zählt. Der Preis für den gigantischen Deal: Rund zehn Milliarden Schilling wird die ÖIAG kassieren, weitere rund 14 Milliarden müssen für das zwingend vorgeschriebene Übernahmeangebot an die Kleinaktionäre kalkuliert werden.

So gut wie alle großen Tabakmultis werden im Kampf um die Austria Tabak – der Verkauf des Staatsanteils wurde im Koalitionsabkommen festgeschrieben – in den Ring steigen. Zum einen ist das Unternehmen höchst profitabel – bei einem Umsatz von 51,4 Milliarden konnte der Gewinn im Vorjahr um 17 Prozent auf 2,7 Milliarden erhöht werden –, und zum anderen, weiß ein Tabak-Manager, „ist Wachstum in der Zigarettenbranche nur mehr via Übernahmen möglich“. Dazu kommt: Die AT verfügt nicht nur in Österreich, sondern auch in Osteuropa und Deutschland über eine beachtliche Schlagkraft – vor allem im Großhandel – und hält beim Zigarettenabsatz bei fünf Prozent Marktanteil in Westeuropa. Kein Wunder also, dass jeder zum Zug kommen will.

Die Ausgangslage ist freilich unterschiedlich, denn Analysten und Investmentbanker wissen bereits, wer die besten Chancen hat:

- Extrem gute Erfolgsaussichten hat der französisch-spanische Tabakkonzern Altadis, der aus der Fusion von Seita und Tabacalera hervorgegangen ist. Der Tabakmulti mit der Vorzeigemarke Gauloises hält in Westeuropa bei rund 13 Prozent Marktanteil. Altadis-Chef Pablo Isa bekundete bereits öffentlich Kaufwillen, um die Expansion in Mitteleuropa voranzutreiben: „Austria Tabak ist daher ein sehr interessantes Unternehmen.“
- Ebenfalls zum engsten Favoritenkreis zählt der britische Konzern Gallaher mit der Leitmarke Benson & Hedges, der in etwa dieselbe Größe wie die AT hat und ebenfalls dringenden Wachstumsbedarf in neuen Märkten hat.
- Zu den heißesten Tipps zählt auch der deutsche Reemtsma-Konzern. Für ihn spricht unter anderem, dass er in Familienbesitz steht und bei einem Preiskampf möglicherweise die besten Karten hat. Denn die anderen Mitbieter sind börsenotiert und müssen daher ihren Kaufpreis
vor den Aktionären rechtfertigen. Reemtsma hat hier freie Hand.

Wer nicht dabei ist, steht ebenfalls fest. Der US-Konzern Philip Morris etwa hätte angesichts seiner Marktgröße kartellrechtliche Probleme zu erwarten. Der Konzern ist und bleibt für die AT aber ein wichtiger Partner, da seine Marken (etwa Marlboro) von der AT in Lizenz produziert werden. Würden diese Verträge gekündigt, wäre dies mit empfindlichen Umsatzeinbussen für die AT verbunden. Daher wird die ÖIAG auch jenen Unternehmen den Einstieg erschweren, die als Erzkonkurrenten von Philip Morris gelten. Dazu zählen beispielsweise der Tabakriese BAT (British-American-Tobacco) mit den Marken Dunhill und Japan Tobacco mit dem Spitzenprodukt Camel.

Ende März wird jedenfalls der Vorhang gelüftet, denn bis dahin müssen alle Angebote bei der AT eingelangt sein. Überraschungen sind dabei freilich nicht ausgeschlossen. Eine mögliche Variante: Finanzinvestoren könnten das Unternehmen kaufen und dann selbst mit der AT auf Akquisitionstour gehen. Gelingt auf diesem Weg eine nachhaltige Wertsteigerung, könnten die Anteile später mit Gewinn wieder auf den Markt geworfen werden.

14.3.2001 16:16