Donnerstag, 15. März 2001

Betriebsräte "stürmten" Sitzung

In der OMV-Belegschaft gärt es. Anlass: die bevorstehende Organisationsänderungen. Die AR-Sitzung am Donnerstag war unterbrochen worden, nachdem eine Delegation von über 100 OMV-Betriebsräten und Mitarbeitern in den Sitzungssaal geströmt war und mit Transparenten unter anderem gegen eine "Zerschlagung des OMV-Konzerns" protestiert hatte.

Ursache der Proteste war die vom OMV-Vorstand beabsichtigte Ausgliederung des Gassektors (204 Mitarbeiter), um auf geänderte Marktverhältnisse im Hinblick auf die bevorstehende Liberalisierung des EU-Gasmarktes zu reagieren.

OMV-Aufsichtsratspräsident Oskar Grünwald nannte am Donnerstag als ausdrücklichen Wunsch, bei der Fortsetzung der Aufsichtsratssitzung eine möglichst große Mehrheit für die Gasausgliederung zu bekommen. OMV-Chef Richard Schenz bezeichnete die Verselbstständigung des Gasbereichs als unabdingbar. Dies wäre allerdings mit keiner Verschlechterung der arbeitsrechtlichen oder finanziellen Verhältnisse der betroffenen Mitarbeiter verbunden.

Der Zentralbetriebsrat weist jedoch auf Ausgliederungspläne für insgesamt 1.200 Beschäftigte hin, was vom OMV-Vorstand heute auf einer Pressekonferenz auch bestätigt wurde. Die betroffenen Mitarbeiter würden - ausgenommen der Gassektor - künftig um rund 30 Prozent weniger Lohn oder Gehalt bekommen, da sie den besonders günstige Erdölkollektivvertrag verlieren würden. Die OMV AG will den Betroffenen jedoch Sonderabfertigungszahlungen anbieten, wobei in Einzelfällen von bis zu 1 Mill. S (72.673 Euro) netto gesprochen wird. Der Zentralbetriebsrat verweist jedoch auf ihm vorliegende andere Rechenergebnisse.

Schenz betonte am Donnestag angesichts der Protestaktion, dass man möglicherweise zuviel auf einmal gewollt habe. Derzeit gehe es allerdings nur um den Gassektor. Über die anderen Ausgliederungen

(Dienstleistungs- und Ölförderbereiche) werde es später Verhandlungen mit dem Betriebsrat geben.

OMV-Zentralbetriebsratsvorsitzender Leopold Abraham ließ nach der abgebrochenen Aufsichtsratssitzung nicht klar erkennen, welche Pläne die OMV-Belegschaft jetzt weiter verfolge. Falls es heute zu einem Ausgliederungsbeschluss bei Gas gekommen wäre, hätte das den Ankündigungen zufolge "Arbeitskampf" bedeutet. Jetzt könnte möglicherweise bis auf weiteres ein "Waffenstillstand" vereinbart werden.

15.3.2001 14:54