Dienstag, 13. März 2001

Verbund, EAG und EStAG verkaufen

Der niederösterreichische Energieversorger EVN soll einen neuen Großaktionär erhalten. Dabei sorgt für Aufregung, dass Konzerne als Käufer im Gespräch sind, die Atomstrom erzeugen.

Die Österreichische Elektrizitätswirtschafts AG (Verbund), die Energie AG Oberösterreich und die steirische EStAG, die zusammen rund 27 Prozent halten, haben beschlossen, ihr Paket "ohne Zeitdruck" zu verkaufen. Kolportiert wird ein Preis von 707 S je Aktie, das wären insgesamt rund 472 Mill. Euro S. Als Interessenten werden die französische Electricite de France (EdF) sowie die deutschen Konzerne E.ON und RWE genannt. Massive Kritik an einem eventuellen Verkauf an einen "Atom-Konzern" kam vom Land Niederösterreich, Grünen, SPÖ und Umweltschutzorganisationen.

EVN-Generaldirektor Rudolf Gruber sagte, der Bund müsse als Mehrheitseigentümer des Verbund klarstellen, ob er die EVN tatsächlich an einen ausländischen Atomstromproduzenten verkaufen wolle. Der Verkauf der Anteile dürfte zunächst an eine - vermutlich deutsche - Investmentgesellschaft erfolgen. Der EVN-Chef befürchtet aber, dass diese nur Statthalter für die EdF sein dürfte, die bereits mit 25 Prozent an der EStAG beteiligt ist.

Analysten beurteilen den Verkauf für den Verbund als vorteilhaft. "Diese Lösung ist für den Verbund nicht schlecht", meint Klara Szeffky von der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Mit den zu erwartenden Erlösen könne der Verbund seine Expansion leichter als bisher finanzieren. Aus der EVN-Dividende lukriere er "nur sehr wenig". Aus Sicht des Energieexperten der Erste Bank, Georg Waldner, geht es dem Verbund primär um mehr Liquidität für seine "Kriegskasse". Zudem könne er bestimmen, wer sich an der EVN beteilige.

Sollten die kolportierten rund 51 Euro je Aktie erzielt werden können, sei dies für den Verbund eine gute "Ausstiegsmöglichkeit", da er mit rund 50 Euro eingestiegen sei. Für die EVN sei der Deal dagegen "nicht so vorteilhaft"; wie es weiter gehen werde, sei fraglich und werde stark vom neuen Partner abhängen, so Szeffky. Laut Waldner könnte ein neuer Großaktionär frischen Wind in die EVN bringen und sie dadurch stärken.

13.3.2001 07:24