FORMAT: zubilligverkauft.com

Das Sterben im Internet geht auch in Österreich munter weiter. Jüngstes Opfer: das Shopping-portal billigerkaufen.com mit etlichen prominenten Aktionären. Investoren sind kaum noch bereit, Kapital in Webfirmen zu pumpen, die vorgelegten Zahlenwerke sind zu unsicher.
Bis zum Schluß liefen hektische Verhandlungen. Andreas Buchwald und Thomas Gottwald, Vorstände der Internet-company billigerkaufen.com, versuchten noch, die Werbeagentur GGK zu überreden, Anteile am Unternehmen als Bezahlung für offene Millionenrechnungen zu akzeptieren.
Vergangene Woche kam dann ein klares Nein von der Werbeagentur, die die über 20 Millionen Schilling teure Werbekampagne für billigerkaufen.com abgewickelt hatte.
Gleichzeitig sah die Anlagegesellschaft Kapital & Wert, die bis Ende März achtzig Millionen Schilling über Verlustbeteiligungen hätte besorgen sollen, keine Chance mehr, diese Tranche zu plazieren. Gerade fünfzehn Millionen konnten eingesammelt werden. Buchwald und Gottwald mußten mit ihrem Shopping-portal zum Konkursrichter pilgern. Kreditgeber Bank Austria verliert dreißig Millionen, die GGK zehn.
Anleger haben Nase voll von Internet-Abenteuern
Auf Abenteuer im Internetbusineß läßt sich heute niemand mehr ein. "Die meisten Anleger wurden an den Technologiebörsen kräftig zur Ader gelassen und haben die Nase voll", erklärt Andreas Eder, Geschäftsführer von Kapital & Wert. Francis Lustig, der frühere K&W-Chef und persönlich an billigerkaufen.com beteiligt, sagt: "Mir ist lieber, ich verliere Geld, als die Anleger kommen zu Schaden. Das jähe Ende ist fast ein Glück" (siehe auch Interview im aktuellen FORMAT). Lustig verliert wie auch der Manager der Cosmos-Elektrokette, Manfred Warmuth, seine Einlage von 100.000 Schilling.
Selbst Yahoo kam ins Schleudern
Weltweit beschleunigt sich das Sterben der sogenannten Dot-comfirmen. Der Onlinespielzeughändler eToys mußte letzte Woche Gläubigerschutz beantragen. Das deutsche E-Commerce-Portal letsbuyit.com konnte gerade noch vor der Pleite bewahrt werden. Nur 0,5 Prozent der Handelsumsätze werden übers Internet getätigt. Sogar Yahoo, das Paradeunternehmen der New Economy, ist unter die Räder gekommen. Die zweite Gewinnwarnung in Folge kostete Yahoo-Chef Tim Koogle vor wenigen Tagen den Kopf.
Vor einem Jahr wären noch Börsenmillionen möglich gewesen
Billigerkaufen.com ist ein typisches Beispiel für die verhängnisvolle Entwicklung der Dotcoms. Die Geschäftsidee klang bestechend: Die Gründer wollten eine Plattform schaffen, über die Handelsketten aller Branchen ihre Topangebote offerieren. Mit dem IT-Spezialisten SchrackBusinessCom war ein Partner zur Hand, der sich beteiligte (dreizehn Prozent) und das Konzept über seinen Außendienst vermarktete. Noch vor einem Jahr hätte das gereicht, um an der Börse ein paar hundert Millionen Schilling abzucashen.
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