Das Hermann Maier-SPEZIAL

Österreichs Herren haben auch in der Saison 2000/2001 wieder für ein "Full House" gesorgt. Speziell dank Hermann Maier, der sich am Samstag beim Finale in Aare in einem dramatischen Zweikampf mit Michael von Grünigen den Sieg im Riesentorlauf und damit auch den Weltcup in dieser Disziplin sicherte.
Maier hat somit wie im Vorjahr vier Weltcup-Kugeln gewonnen, die fünfte wird am Sonntag im Slalom zwischen Benni Raich und Heinz Schilchegger vergeben.
Vier Kugeln für Maier, aber jene im Riesentorlauf war die, mit welcher der der Ski-Gigant aus Salzburg die größte Freude hatte. In Val d'Isere hatte man ihn wegen der zu langen Besichtigung disqualifiziert und ihm einen möglichen Sieg gestohlen. Damals hatte in Abwesenheit Maiers von Grünigen gewonnen, doch am Samstag in Aare schlug das Pendel der Gerechtigkeit zurück.
Ausrutscher kostete MvG die kleine Kristallkugel
Dem Schweizer hätte bei 40 Punkten Vorsprung der zweite Platz hinter Halbzeit-Leader Maier genügt, doch auf der scheinbar sicheren Fahrt zum Weltcup-Sieg zeigte der stoische Weltmeister Nerven. Fünf Tore vor dem Ziel saß "MvG" nach einem Ausrutscher kurz auf dem Hosenboden. Platz vier war letztlich zu wenig. Speziell, weil Maier ("Ich habe oben am Schreien der Leute mitgekriegt, dass er offenbar nicht vorne ist") danach zu einem überlegenen Sieg vor Erik Schlopy und Raich raste und mit zehn Punkten Vorsprung triumphierte.
Strip von Maier im Zielraum
Und vor Freude darüber führte er im Ziel einen wahren Veitstanz auf. Maier küsste seine eigene Faust, hob Schlopy auf die Schultern, warf vor Freude die halbe Kleidung von sich und sah nach einem euphorischen Striptease keinen Grund, seine Begeisterung im Zaum zu halten.
"Wahnsinn. Wenn es darauf ankommt, kann ich mich immer noch einmal steigern. Genau auf diesen Riesentorlauf habe ich mich hier konzentriert und dann war ich in Bestform. Der Lauf war total gegen mich gesteckt. Aber die Gerechtigkeit kommt irgendwann zurück", sprudelte es aus Maier heraus. Am Sonntag im Slalom ist er nicht mehr dabei, seine neuen Eckdaten daher: 41 Weltcup-Siege (einen mehr als Pirmin Zurbriggen), 13 Saisonsiege wie Ingemar Stenmark, zwölf Weltcup-Kugeln, davon drei Große. Und das alles in nur vier Jahren.
"Genugtuung" für den Herminator
Kein Wunder, dass Maier nach dem Triumph im Riesentorlauf von einer "totalen Genugtuung" sprach. "Aber nicht nur für mich, sondern für die ganzen Trainer und Betreuer." Ohne die Disqualifikation und die vielen Absagen waäre noch weit mehr möglich gewesen. Maier: "Da hätte ich heuer sicher 15 oder 16 Siege gefeiert, wären mehr Rekorde gefallen."
Fanclub-Transparent gestohlen
Dass man in Aare wie schon in St. Anton das Fanclub-Transparent mit der Maier-Glücks-Sau gestohlen hatte, belustigte ihn eher. "Scheint sehr beliebt zu sein. Aber heute Nacht wird sowieso die Sau raus gelassen. Und zwar schneidig."
ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sah DEN Maier-Triumph wegen der Val d'Isere-Affäre ebenfalls mit besonderer Genugtuung. "Ich habe immer volles Vertrauen gehabt. Man kann nur Positives bewirken, wenn man positiv denkt. Für die anderen gilt das Prinzip, dass alles auf den zurückkommt, der jemand anderem etwas Schlechtes tut."
Endstand im Riesentorlauf
| 1. | Hermann Maier | AUT | 2:31,23 Min. |
| 2. | Erik Schlopy | USA | +1,14 |
| 3. | Benjamin Raich | AUT | +1,28 |
| 4. | Michael Von Grünigen | SUI | +1,60 |
| 5. | Lasse Kjus | NOR | +1,87 |
| 6. | Josef Strobl | AUT | +1,93 |
| 7. | Frederic Covili | FRA | +2,04 |
| 8. | Massimiliano Blardone | ITA | +2,07 |
| 9. | Didier Defago | SUI | +2,15 |
| . | Urs Kälin | SUI | +2,15 |
| 11. | Paul Accola | SUI | +2,17 |
| 12. | Steve Locher | SUI | +2,30 |
| 13. | Marco Büchel | LIE | +2,41 |
| . | Sami Uotila | FIN | +2,41 |
| 15. | Christian Mayer | AUT | +2,66 |
| 16. | Stephan Eberharter | AUT | +2,76 |
| 17. | Kenneth Sivertsen | NOR | +3,02 |
| 18. | Joel Chenal | FRA | +3,54 |
| 19. | Didier Cuche | SUI | +3,71 |
Im 1. Lauf ausgeschieden:
Vincent Millet (FRA)
Kjetil-Andre Aamodt (NOR)
Im 2. Lauf ausgeschieden:
Heinz Schilchegger (AUT)
22 Läufer am Start. Weltcup-Punkte nur für die Top 15.
