Montag, 12. März 2001

Mutola holt WM-Gold 4/100 Sekunden vor Silber-Gräfin

Diashow

Stephanie Graf hat am Sonntag bei den 8. Leichtathletik-Hallen-Weltmeisterschaften in Lissabon die angestrebte Goldmedaille um die Winzigkeit von vier Hundertstelsekunden verpasst. Die 27-jährige Kärntnerin musste wie schon bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney ihrer Erzrivalin Maria Mutola aus Mosambik den Vortritt lassen.

Die Olympiazweite sorgte aber trotzdem für den größten Erfolg einer ÖLV-Dame bei einer Hallen-WM, denn bisher hatte nur der Vorarlberger Klaus Bodenmüller fast auf den Tag genau vor zehn Jahren - am 8. März 1991 in Sevilla - mit Silber im Kugelstoßen eine Medaille bei einem solchen Großereignis geholt. Und im Freien ist noch immer Platz drei von Hochspringerin Sigrid Kirchmann 1993 in Stuttgart das beste österreichische WM-Resultat.

Taktik gegenüber Sydney geändert, Ergebnis gleich

"Scheiße!" Dies war der erste Kommentar von Graf, nachdem sie von ihrem knappen Rückstand erfahren hatte. "Ich bin um mein Leben gerannt, habe im Gegensatz zum Olympiafinale, wo ich eingesperrt war, alles richtig gemacht, doch die Maria war heute einfach besser. Das muss ich neidlos anerkennen", erklärte die Mathematik- und Italienisch-Studentin aus Völkermarkt, die sich gleich vom Start weg an die Spitze gesetzt hatte, um ja nicht wie in Sydney in eine taktisch prekäre Situation zu kommen.

In der zweiten der insgesamt vier Runden übernahm dann Helena Dziurova-Fuchsova die Führung vor Graf und Mutola, und in dieser Reihenfolge ging es auch auf die letzten 200 Meter, in der die am Ende drittplatzierte Tschechin die beiden Top-Favoritinnen ziehen lassen musste. Die Kärntnerin ging zwar als Erste auf die Zielgerade, doch praktisch mit dem letzten Schritt entschied die extrem spurtstarke Afrikanerin das Herzschlagfinale doch noch für sich und siegte als erste Olympiasiegerin von Sydney überhaupt bei diesen 8. IAAF Hallen-Weltmeisterschaften.

"Natürlich wollte ich dieses Rennen gewinnen", betonte Graf, die in sämtlichen vorangegangenen vier Saisonduellen vor Mutola ins Ziel gekommen war. "Aber ich freue mich auch über den zweiten Platz, denn als Österreicher darf man nicht so unverschämt werden, sich mit Silber nicht zufrieden zu geben. Ich kann mir auch nichts vorwerfen, denn ich habe keinen Fehler gemacht. Maria war heute einfach um diesen Hauch besser als ich."

Karin Mayr verpasst den Finaleinzug klar

Neben Graf verfehlte auch Sprinterin Karin Mayr ihr angestrebtes Ziel. Die 29-jährige Niederösterreicherin schaffte zwar als Vorlauf-Dritte in 7,28 Sekunden den direkten Aufstieg ins Semifinale, in dem sie dann aber mit 7,33 klar am Finaleinzug, für den 7,19 notwendig gewesen wären, vorbei lief. Im Anschluss daran hatte die ÖLV-Rekordlerin, die den 15. Endrang belegte, unmittelbar neben der Laufbahn ihrer Teamkollegin Graf die Daumen gedrückt, allerdings nicht mit dem Erfolg, den sich Mayr und Österreichs Sportfans erhofft hatten.

12.3.2001 10:52