Putin verlangt rasche Auslieferung tschetschenischer Entführer
Der russische Präsident Wladimir Putin hat Saudiarabien am Samstag um eine rasche Auslieferung der mutmaßlichen Entführer einer russischen Passagiermaschine ersucht.
In einem Brief an den saudiarabischen König Fahd schrieb Putin nach Angaben des Kreml, er hoffe auf "schnellstmögliche" Klärung aller Fragen im Zusammenhang mit der Auslieferung der tschetschenischen Luftpiraten. Neben einem der drei Entführer waren bei der Stürmung der Maschine am Freitag eine Stewardess und ein Passagier ums Leben gekommen. Die Moskauer Behörden warnten die Türkei nach eigenen Angaben bereits vor zehn Tagen vor einer Flugzeugentführung. Die russischen Passagiere der entführten Maschine traten am Samstag an Bord einer Iljuschin die Heimreise nach Moskau an, auch die türkischen Ex-Geiseln flogen aus Medina in ihre Heimat zurück.
Er hoffe auf die "schnellstmögliche Auslieferung der Kriminellen", schrieb Putin. Überdies dankte er den saudiarabischen Behörden für die Zusammenarbeit bei der Beendigung der Flugzeugentführung in Medina. Moskau verhandelte nach Angaben des Vizechefs des Inlandsgeheimdienstes FSB, Wladimir Pronischew, bereits seit Freitag über die Auslieferung der Entführer. Ihnen droht lebenslange Haft wegen Mordes. Der saudiarabische Innenminister Prinz Nayef ben Abdel Aziz betonte am Samstag, die Auslieferungsfrage werde auf diplomatischen Weg geregelt. Saudiarabien hatte die russische Militäroffensive in Tschetschenien wiederholt verurteilt. Mehrere im Land ansässige Organisationen stehen im Verdacht, die tschetschenischen Rebellen finanziell zu unterstützen, was Riad jedoch dementiert.
Der tschetschenische Präsident Aslan Maschadow forderte am Samstag in einer Stellungnahme an die Nachrichtenagentur AFP die Bestrafung der Entführer "nach den Gesetzen der Scharia", wandte sich aber gegen eine Auslieferung der Männer an Russland. Bei den beiden festgenommenen Entführern soll es sich um Verwandte des früheren Sicherheitsministers Aslanbek Arsajew aus der Regierung Maschadows handeln. Am Freitag hatte Putin tschetschenische Rebellen als Drahtzieher verantwortlich gemacht. Diese bestreiten die Vorwürfe.
Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf den russischen Krisenstab, die Moskauer Behörden bereits vor zehn Tagen eine Liste von zehn möglichen Tätern an die Türkei übermittelt, auf der sich auch die Namen von zweien der tatsächlichen Entführer befunden hätten. Dies bestritt Ankara am Samstag. Die Namen der drei Kidnapper seien nicht auf der Liste gewesen, mit der die russischen Behörden vor "wegen Verwicklung in terroristische Aktivitäten" Gesuchten gewarnt hätten, hieß es in einer Stellungnahme des Innenministeriums.
Die Nacht vor ihrer Heimreise hatten die rund 120 russischen Passagiere der entführten Maschine in einem Hotel in Medina verbracht. Auch 47 türkische Bürger wollten noch am Samstag an Bord einer Maschine der Turkish Airlines in die Heimat zurückfliegen. Auch die Leiche des bei der Erstürmung des gekaperten Flugzeugs getöteten türkischen Passagiers soll nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi an Bord sein.
Die Entführer hatten die Tupolew mit 174 Menschen an Bord am Donnerstag auf dem Flug von Istanbul nach Moskau in ihre Gewalt gebracht und zur Landung in Medina gezwungen. Bei der Stürmung des Flugzeugs kamen drei Menschen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Zuvor hatten die Entführer Dutzende freigelassen.
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